Größer
Vor allem die Maharadschas und die englischen
Kolonialherren sorgten für die
Dezimierung der Tigerbestände. Traurige
Berühmtheit erlangte der schießwütige
Maharadscha von Surguja, der mit 1.150
erlegten Tigern wohl den Rekord hält.
Den Rest besorgten und besorgen
leider auch heute noch die Bauern. Sie
legen immer wieder vergiftete Fleischköder
aus, nach deren Genuss die Tiere
verenden. Die Dschungelkatzen werden
aber auch durch die ständige Einengung
ihres Lebensraumes bedroht.
Um die wachsende Bevölkerung ernähren
zu können, wurden in den letzten
Jahrzehnten immer mehr Wälder gerodet.
Noch vor hundert Jahren war die
Hälfte Indiens mit Wald bedeckt. Bis
heute wurde der Waldanteil auf 10 %
reduziert. Als Folge davon sanken der
Grundwasserspiegel und damit auch der
Ertrag der Weiden und Felder merklich
ab. Die Bauern dringen mit ihren
ausgehungerten Rindern immer tiefer in
die noch vorhandenen Restwälder ein, zer-stören den Unterwuchs, verdrängen das
Wild und präsentieren sich den hungrigen
Tigern als leichte Beute.
Tiger-Schutzgebiete
Dass man mit der ständigen Rodung
unheilvoll in den Wasserhaushalt des
Landes eingriff, war den Menschen
nicht bewusst. Buchstäblich in letzter
Minute begann unter den Verantwortlichen
ein Umdenken. Auf Initiative
und mit kräftiger finanzieller Unterstützung
des World Wildlife Fund
errichtete die indische Regierung neun
Tigerschutzgebiete, denen später sieben
weitere Reservate folgen sollten. Heute
umfassen die Tigerschutzgebiete Indiens
bereits eine Fläche von 21.000 km2. Mit
der "Operation Tiger" will man nicht
nur die bedrohten Tiger schützen, sondern
gleichzeitig die Vernichtung der
letzten ursprünglichen Dschungelwälder
verhindern. Sollte dieser Plan eingehalten
werden, wäre dies auch für
den Wasserhaushalt weiter Landstriche
Indiens von großer Bedeutung. Mit dieser
Naturschutzaktion könnte nicht nur
dem Tiger, sondern auch den Menschen
geholfen werden.
In den vergangenen
Jahren errichtete man um die eigentlichen
Tigerschutzgebiete Pufferzonen,
in denen nur begrenzte Landnutzung
gestattet ist.
Als Folge all dieser Schutzmaßnahmen
hatte sich der Tigerbestand Indiens
bis 1980 wieder auf etwa 3.000 erhöht.Durch zunehmende Wilderei und das
Auslegen von Giftködern wurde der
Bestand aber bis heute wieder halbiert.
Die bekanntesten Tigerschutzgebiete
Indiens sind der Kanha- und Bandhavgarh-
Nationalpark in Zentralindien,
der Corbett-Nationalpark nördlich von
Delhi, die beiden großen Schutzgebiete
von Manas und Kaziranga in Assam,
das Gebiet von Peryar in Südindien,
Ranthambhore und Sarika in Rajasthan
sowie die Reservate von Bandipur, Karnataka
und Simlipal in Orissa.
Aufklärungsmaßnahmen
Probleme gab es im Kheri-Distrikt, an
der Grenze zu Nepal. Dort wurden aus
ungeklärten Gründen einige Tiger zu
Menschenfressern und mussten erlegt
werden. Sorgen bereiten den Naturschützern
auch die Tiger in den Sümpfen
des Sundarbans bei Kalkutta. Es handelt
sich um den größten Mangrovenwald
der Erde, weite Teile gehören zu einem
Nationalpark. Aufgrund der Bevölkerungsexplosion
dringen immer mehr
Fischer, Holz- und Honigsammler in
den Dschungel ein und werden manchmal
von Tigern angefallen. Durch Aufklärung
der Bevölkerung, nicht alleine
in den Dschungel zu gehen und Waldbeweidung
zu vermeiden, will man dem
Problem begegnen. Eine weitere Maßnahme
bildet das Aussetzen von Wildschweinen,
die den Dschungelkatzen als
zusätzliche Beute dienen sollen.