Operation Tiger

Wildtierkunde: Königstiger

Mit Ausnahme des Königstigers sind heute alle Unterarten des Tigers vom Aussterben bedroht. Auch der indische Dschungelkönig wurde erst in letzter Minute durch die Einrichtung von Reservaten – die "Operation Tiger” – geschützt. Sein Überleben wird davon abhängen, ob es gelingt, dem herrlichen Tier genügend Lebensraum zu erhalten – angesichts der Bevölkerungsexplosion in Indien keine leichte Aufgabe.
Tigerin mit Jungtier001-01.jpg © HeimpelGrößer Königstiger (auch Indische oder Bengaltiger genannt) lieben große, ruhige und mit Wasserstellen durchsetzte Dschungel. Wo diese Bedingungen gegeben sind, beansprucht jeder Tiger etwa 40 bis 50 km2 für sich. Er durchwandert dort jede Nacht sein Revier und legt 20 bis 30 km zurück. Gelingt es ihm, ein größeres Beutetier zu schlagen, teilt er dies manchmal durch Gebrüll seinen Nachbarn mit und es versammeln sich mehrere Tiger beim Riss. Die meiste Zeit verbringt der Tiger mit dem Aufspüren, Erlegen und Bewachen der Beute. Er tötet, um zu überleben und geht dem Menschen aus dem Weg. Gruselgeschichten über Menschenfresser sind leider weit verbreitet. Nur verletzte, angeschossene oder kranke Tiger, die ihrer natürlichen Beute nicht mehr habhaft werden, können Menschen gefährlich werden. Attacken von Tigern auf Menschen sind seltene Ausnahmen. Wohl greifen bei Nahrungsmangel Tiger auch Haustiere an.

Axishirsche als Hauptbeute


Die Hauptnahrung der Tiger bilden Axishirsche, sie reißen aber auch Sambarhirsche, Wildschweine, Wasservögel, Pfauen und Affen. Ein erwachsener Tiger braucht täglich etwa 7 bis 9 kg Fleisch. Dies bedeutet, dass ihm etwa 70 Hirsche als Jahresbeute zum Opfer fallen. Die Jagd ist für den Tiger oft mühsam. Um Beute zu machen, muss er sehr nahe an sein Opfer heranschleichen. Viele Versuche enden erfolglos. Hat er ein Tier erbeutet, schleppt er dieses meist an einen Platz in Wassernähe und beginnt dort zuerst an den Keulen zu fressen. Wenn der Tiger satt ist, tarnt er den Rest der Beute mit Gras, trinkt reichlich Wasser und legt sich im Dickicht zur Ruhe.

Natürliche Auslese

TigerSpuren.jpg © HeimpelGrößer Interessant ist, dass sich unter der Beute des Tigers vor allem junge, kranke oder alte Tiere befinden. Die Großkatze betreibt dadurch eine natürliche Auslese. An einem im Bambusdickicht ruhenden Tiger kann man nur wenige Meter entfernt vorbeigehen, ohne ihn zu entdecken. Sein Streifenmuster verleiht dem Königstiger im Licht- und Schattenspiel des Dschungels den Körper auflösende Tarnung.

Niedrige Vermehrungsrate


Die Rollzeit der Tiger findet meist in den Wintermonaten statt, wobei sich die Männchen oft heftige Kämpfe liefern. Der Sieger bleibt eine Woche bei dem Weibchen und paart sich mit ihr. Die Fortpflanzungsrate ist niedrig. Das Tigerweibchen bringt nach einer Tragzeit von etwa 100 Tagen nur alle drei Jahre zwei bis vier Junge zur Welt, von denen aber meist nur zwei überleben. In den ersten acht Wochen nährt die Mutter ihre Jungen ausschließlich mit Muttermilch, danach bringt sie ihnen zusätzlich kleinere Beutetiere. Je älter die Jungen werden, umso größere Beute muss die Mutter herbeischaffen. Die Säugezeit endet nach fünf bis sechs Monaten. Die Jungen gehen dann mit der Mutter auf Jagd und werden auch manchmal für längere Zeit alleine gelassen. Einjährige Tiger beteiligen sich schon intensiv an der Jagd und werden von ihrer Mutter angelernt. Die Jungtiger verbleiben zwei Jahre im Familienverband und werden erst mit drei bis vier Jahren geschlechtsreif. Tiger sollen ein Höchstalter von etwa 25 Jahren erreichen. Um 1900 schätzte man den Tiger-bestand in Indien auf etwa 40.000 Tiere. Nur 70 Jahre später war die Anzahl auf 2.000 Exemplare abgesunken. Bis 1950 war der Tiger in Indien zum Abschuss freigegeben. Gegen eine geringe Gebühr konnte jedermann die schönen Großkatzen töten. Dass man von dieser Möglichkeit reichlich Gebrauch machte, beweisen die Populationszahlen.

Schießwütige Maharadschas

Tigerhochkant.jpg © HeimpelGrößer Vor allem die Maharadschas und die englischen Kolonialherren sorgten für die Dezimierung der Tigerbestände. Traurige Berühmtheit erlangte der schießwütige Maharadscha von Surguja, der mit 1.150 erlegten Tigern wohl den Rekord hält.

Den Rest besorgten und besorgen leider auch heute noch die Bauern. Sie legen immer wieder vergiftete Fleischköder aus, nach deren Genuss die Tiere verenden. Die Dschungelkatzen werden aber auch durch die ständige Einengung ihres Lebensraumes bedroht. Um die wachsende Bevölkerung ernähren zu können, wurden in den letzten Jahrzehnten immer mehr Wälder gerodet. Noch vor hundert Jahren war die Hälfte Indiens mit Wald bedeckt. Bis heute wurde der Waldanteil auf 10 % reduziert. Als Folge davon sanken der Grundwasserspiegel und damit auch der Ertrag der Weiden und Felder merklich ab. Die Bauern dringen mit ihren ausgehungerten Rindern immer tiefer in die noch vorhandenen Restwälder ein, zer-stören den Unterwuchs, verdrängen das Wild und präsentieren sich den hungrigen Tigern als leichte Beute.

Tiger-Schutzgebiete


Dass man mit der ständigen Rodung unheilvoll in den Wasserhaushalt des Landes eingriff, war den Menschen nicht bewusst. Buchstäblich in letzter Minute begann unter den Verantwortlichen ein Umdenken. Auf Initiative und mit kräftiger finanzieller Unterstützung des World Wildlife Fund errichtete die indische Regierung neun Tigerschutzgebiete, denen später sieben weitere Reservate folgen sollten. Heute umfassen die Tigerschutzgebiete Indiens bereits eine Fläche von 21.000 km2. Mit der "Operation Tiger" will man nicht nur die bedrohten Tiger schützen, sondern gleichzeitig die Vernichtung der letzten ursprünglichen Dschungelwälder verhindern. Sollte dieser Plan eingehalten werden, wäre dies auch für den Wasserhaushalt weiter Landstriche Indiens von großer Bedeutung. Mit dieser Naturschutzaktion könnte nicht nur dem Tiger, sondern auch den Menschen geholfen werden.

In den vergangenen Jahren errichtete man um die eigentlichen Tigerschutzgebiete Pufferzonen, in denen nur begrenzte Landnutzung gestattet ist. Als Folge all dieser Schutzmaßnahmen hatte sich der Tigerbestand Indiens bis 1980 wieder auf etwa 3.000 erhöht.Durch zunehmende Wilderei und das Auslegen von Giftködern wurde der Bestand aber bis heute wieder halbiert. Die bekanntesten Tigerschutzgebiete Indiens sind der Kanha- und Bandhavgarh- Nationalpark in Zentralindien, der Corbett-Nationalpark nördlich von Delhi, die beiden großen Schutzgebiete von Manas und Kaziranga in Assam, das Gebiet von Peryar in Südindien, Ranthambhore und Sarika in Rajasthan sowie die Reservate von Bandipur, Karnataka und Simlipal in Orissa.

Aufklärungsmaßnahmen


Probleme gab es im Kheri-Distrikt, an der Grenze zu Nepal. Dort wurden aus ungeklärten Gründen einige Tiger zu Menschenfressern und mussten erlegt werden. Sorgen bereiten den Naturschützern auch die Tiger in den Sümpfen des Sundarbans bei Kalkutta. Es handelt sich um den größten Mangrovenwald der Erde, weite Teile gehören zu einem Nationalpark. Aufgrund der Bevölkerungsexplosion dringen immer mehr Fischer, Holz- und Honigsammler in den Dschungel ein und werden manchmal von Tigern angefallen. Durch Aufklärung der Bevölkerung, nicht alleine in den Dschungel zu gehen und Waldbeweidung zu vermeiden, will man dem Problem begegnen. Eine weitere Maßnahme bildet das Aussetzen von Wildschweinen, die den Dschungelkatzen als zusätzliche Beute dienen sollen.
07.07.2010 13:44

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