Größer
Nur ein leises Knacken. Langsam
schiebt sich eine stärkere Sau vorsichtig
an den Bestandesrand. Keine 50
Meter ist das Stück entfernt. Keiler,
Bache oder Überläufer, sind da noch
mehr Stücke im Wald? Noch kann ich
die Sau nicht genau ansprechen, denn
noch ist zu wenig von ihr zu erkennen.
Dann steht sie plötzlich im Freien, nur
wenige Meter trennen sie vom meterhohen
Mais. Ich sehe das Kurzwildbret,
aber keine Waffen, und auch der so
typische Keilerbuckel fehlt. "Rumms!"
ist der Schuss draußen und der Überläuferkeiler
verschwunden. Doch nurwenige Meter vom Anschuss entfernt
höre ich das Stück schlegeln. Ein gutes
Zeichen, doch mit dem Ausgehen der
Fluchtfährte warte ich noch ein halbes
Stündchen. Wie sagt mein afrikanischer
Berufsjägerfreund immer: "It´s the dead
ones that kill you …" Als ich dann am
Keiler(chen) stehe, ist dieser doch etwas
"geschrumpft" – 38 Kilogramm aufgebrochen
soll die Waage später zeigen.
Weltweit erfolgreich
Fortpflanzungsraten von mehr als 200%, eine enorme Intelligenz gepaart mit der Anpassungsfähigkeit eines ausgesprochenen Kulturfolgers machen das Schwarzwild zu einer der erfolgreichsten Wildarten weltweit. Noch ist das Schwarzwild in unserer schönen Alpenrepublik keine Massenware. Jedoch es kann sich schnell entwickeln vom eher seltenen Besucher unserer Reviere bis zum reichlich vorhandenen Standwild. Zwar werden die Sauen nicht in alpine Regionen vorstoßen, hier ist das Fraßangebot zu gering, doch sind potenziell die meisten einheimischen Lebensräume durchaus geeignet, um Schwarzwild dauerhaft zu beherbergen. Sus scrofa, soder lateinische Begriff für das Schwarzwild, setzt mittlerweile seinen Siegeszug in lange unbesiedelten Gebieten wie Skandinavien und selbst in Großbritannien fort. Der komplette eurasische Raum ist fest in "Schwarzwilds Hand".
Südlich des Schwarzen Meeres ziehen starke Keiler in der Türkei und im Iran ihre Fährten. Pakistan bietet seit Jahrzehnten gute Saujagden an. Im dschungarischen Alatau Kasachstans erlegte ein Jäger im vergangenen Jahr einen starken Keiler auf knapp 3.000 Meter über N.N.! Russland westlich des Urals und das komplette Baltikum haben starke Sauen.
Grundsätzlich lässt sich übrigens feststellen, dass die Sauen, je weiter man östlich kommt, immer stärker werden. Keiler mit Gewichten bis zu 300 (!) Kilogramm aufgebrochen kommen bereits in Lettland vor. Wildbiologenmachen für diese enormen Zahlen mehrere Faktoren aus: Zum einen das raue Klima, dem nur die vitalsten Stücke trotzen, zum anderen den Beutegreiferdruck, den Wolf und Bär verursachen. Stark vereinfacht gesagt: Die Sauenpopulation wächst gegen die Fressfeinde körperlich an.




