Wildschaden

Jagdpraxis

Den Juli prägen einerseits die suchenden Böcke und die reifenden Hirsche, andererseits der Beginn der Ernte und die "unendliche" Überwachung der verbleibenden Feldfrüchte auf Wildschäden.

Feldrevier im Juli

BockRaps.jpg © Jens Peter BurkhardtGrößer Im Juli beginnt mit der Mahd der Wintergerste die Ernte. Selbst bei einem bereits vorhandenen, wildfreundlichen Mosaik an Wildäckern müssen Landwirte und Jäger in den Feldrevieren nun zusammenarbeiten. Jetzt wirbt der Heger für die Einsaat von Stoppelsaaten bzw. Zwischenfrüchten auf den ersten gemähten Schlägen. Als Zwischenfruchtanbau wird der Anbau von Pflanzen zwischen zwei Hauptfrüchten bezeichnet. Hierbei wird der Umstand ausgenutzt, dass zwischen Ernte und Neubestellung eine gewisse Zeit verstreicht, währenddessen der Acker weiter genutzt werden kann. Die Stoppelsaat bezeichnet den Anbau einer Zwischenfrucht nach einer früh räumendenFrucht, zum Beispiel nach Wintergerste. Ob Klee-, Erbsen-, Wicken-, Weidelgras- oder Rapssorten, Jäger und Landwirte haben vielfältige Möglichkeiten, ein Revier zu bereichern.

Wildschaden


Der Sommer macht nicht nur das Wild feist, sondern sorgt mancherorts leider auch für "feiste" Wildschadens-Ersatzforderungen. Wer dies umgehen will, hilft sich durch regelmäßige Kontrolle. Aber wie, wenn Mais zu einem der wichtigsten Landwirtschaftsprodukte in Österreich geworden ist? Nur die Zahlen dieser Getreideart lassen die Feldjäger blass werden: Insgesamt werden bei uns jährlich auf knapp 200.000 Hektar fast zwei Millionen Tonnen Mais geerntet. Gleichzeitig vermehrt sich das Schwarzwild rasend schnell

Blick zum Nachbar


Aus vielen deutschen Bundesländern häufen sich die Klagen von Jagdgenossenschaften und Gemeinden, die vermehrt Schwierigkeiten haben, ihre Jagden zu verpachten! Der zunehmende (Energie-)Maisanbau und die damit verbundene Explosion der Wildschweinbestände ist einer der Gründe, warum sich Pachtinteressenten zurückhalten. "Gerade jüngere Pachtinteressenten, die dem zunehmenden Zwang erhöhter beruflicher Mobilität unterliegen, scheuen das Risiko, sich für mindestens neun Jahre zu binden", formulierte es einmal Martin Bürner, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Baden-Württemberg. Einheimische "kneifen" zunehmend auch, da sie um die Wildschadenssituation wissen und zudem "kleinräumig" mit den Geschädigten zusammenleben (müssen). Erwerbs- und Absatzprobleme in der Landwirtschaft verschärfen den Druck auf die Landwirte, gute ertragsstarke Ernten einfahren zu müssen. Wer heute Futter für das Vieh zukaufen muss, zahlt drauf. Der Mais vom eigenen Acker wäre günstiger gewesen… Wer kann da noch wie früher den Bauern mit einem küchenfertigen Reh milde stimmen? Prof. Dr. Walter Arnold, Universitätsprofessor für Wildtierkunde an der Veterinärmedizinischen Universität Wien sowie Leiter des Forschungsinstitutes für Wildtierkunde und Ökologie, schrieb in einem Beitrag über Schwarzwild in Österreich: "Das Schwarzwild zeigt ein sogenanntes exponenzielles Wachstum, das ganz typisch ist für Arten, die ideale Lebensbedingungen vorfinden und bei denen die Bestandesdichte noch weit unter der biologischen Tragfähigkeit des Lebensraumes liegt. Bisher scheint die-ser Trend ungebrochen und wird, wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher, noch wesentlich mehr Probleme bereiten, als mancherorts schon heute zu beklagen sind" (siehe dazu Interview Seite 11). Was tun im Feldrevier? Meines Erachtens gehört jedwedes "Kirchturmdenken" schnell verbannt. Einzig hohe Flexibilität und revierübergreifendes Jagen bieten Chancen, den Sauen adäquat zu begegnen. Wer sich nicht alsbald mit den Jagdnachbarn zusammentut, gehört zukünftig zu den Verlieren. Auf der Verliererseite werden sich dann aber auch andere wieder finden: Die o. g. Jagdgenossenschaften und Gemeinden, die vor nahezu unverpachtbaren Revieren stehen. Deren Flexibiliät in der Ausgestaltung der Pachtverträge lässt ebenso zu wünschen übrig. Auch hier herrscht vielerorts noch "Kirchturmdenken ..."

Waldrevier im Juli

Ausbildung Junghund.jpg © Jens Peter BurkhardtGrößer ist es geworden und somit Blattzeit, besser gesagt Rehbrunft. Denn die eigentliche Blattzeit – die Zeit, in der das Blatten lohnt – beginnt erst mit der Wende vom Juli zum August. Trotzdem sind schon viele Jäger Mitte Juli mit dem Blatter unterwegs. Doch obwohl man überall die Böcke treiben sieht oder zumindest hört, springen meist nur Jahrlinge. Dabei sind genug ältere Böcke da. Im Juli sind die meisten Geißen brunftig, und die Böcke ziehen noch nicht so weite Kreise – es ist derzeit noch schwierig im Wald, sie hervorzulocken. Die Zeitspanne, in der eine Ricke hochbrunftig ist, beträgt in etwa vier Tage. In dieser Zeit steht der Bock ständig bei ihr. Auch dieser Bock wird sicherlich die nächsten Tage der Ricke nicht von der Seite weichen. Da die Herren Böcke auf den "schmachtenden" Rehfiep zumeist erst ab dem 1. August reagieren, wird im Juli der Kitzruf zum Einsatz kommen müssen. Hoffentlich lockt dieser die Ricke und mit ihr den reifen Bock auf günstige Entfernung herbei.

Spießer genau ansprechen

Seit Juni sind mancherorts die Rotschmalspießer und -tiere frei. In diesemMonat kommen auch Damschmalspießer und -tiere dazu. Die Bejagungsrichtlinien der Damwild-Hegegemeinschaften differieren, nicht jedoch in der Klasse der Spießer. Ein Damspießer, der deutliche, keulenförmige Verdickungen über den Rosenstöcken und ein gutes Wildpretgewicht aufweist, würde wohl nirgends erlegt werden. Dies gilt vielerorts auch unabhängig von der Stangenlänge! Die Frage, wer schon gerne Spießer im Bast schießen mag, kann jeder selbst beantworten.

Hundeausbildern helfen

Im Juli findet sich ebenso Zeit für die Telefonate mit potenziellen Wildpretinteressenten wie für den jungen Rüdemann, der händeringend ein Revier für die Ausbildung seines Jagdgebrauchshundes sucht. Ihm wird ein Schlag zugewiesen, auf dem er trainieren kann.Man tauscht sich aus, lernt voneinander und gewinnt vielleicht einen zuverlässigen Hundeführer, der sich nicht zu schade ist, Opfer des Straßenverkehrs nachzusuchen oder im kommenden Frühjahr wieder die Wiesen nach Kitzen abzugehen. Die Jagd funktioniert nur mit brauchbaren Hunden. Geben wir Hundeführern Ausbildungschancen, dann profitieren wir alle.

Jagd ist Freude

Jagd sollen Jäger heute rational, ja betriebswirtschaftlich betrachten. Doch Jagd ist immer noch – gottlob für die meisten Waidmänner – gelebte Freude, entstanden aus gewachsenem Kulturgut. Deshalb nehmen wir uns genüsslich Zeit, einen interessanten Bock auszuwählen, erlegen nicht "mit Gewalt" jeden Spießer und wählen auf dem Einzelansitz ein schwaches Stück aus.
19.07.2010 12:47

  • Bookmarken Sie St. Hubertus

    Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Webnews Bookmark bei: Linkarena Bookmark bei: Publishr Bookmark bei: Favit Bookmark bei: Bookmarks.at Bookmark bei: Digg Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Jumptags Bookmark bei: Furl Bookmark bei: Yahoo Bookmark bei: Google Bookmark bei: Technorati
  • sth.jpg  red.
123»