Größer
"Zeig mal her, das gute Stück", forderte
mich der schlaksige Sachse auf. Ich
war der Jagdeinladung meines Freundes
Christian gefolgt und habe ihm voller
Stolz von meinem Neuerwerb berichtet.
Vor Kurzem habe ich mir einen
kleinen Traum erfüllt und mir eine alte
Querflinte im Kaliber 16/70 zugelegt.
An sich nichts Besonderes, aber seit
meiner ersten Gesellschaftsjagd in den
neuen Bundesländern wuchs in mir der
Wunsch nach einer Flinte aus der ehemaligen
Deutschen Demokratischen
Republik mit einem stilecht montierten
"Ziel 4"; einem Zielfernrohr mit vierfacher
Vergrößerung. Als gebürtiger Niederösterreicher
fand ich diese Zusammenstellung
zunächst ungewöhnlich.
In der DDR war diese Kombination
für viele Jäger jedoch die einzige reelle
Möglichkeit, Schalenwild gezielt auf
größere Entfernung mit einem Flintenlaufgeschoss
zu erlegen, da die meisten
Jäger nicht über eine Büchse verfügten.
Hoffnungslos?
Von der Wiederbelebung einer alten Querflinte
Welcher passionierte Flintenjäger verbindet mit seiner Flinte nicht unvergessliche Jagderlebnissse? Und welcher viel geführten Flinte sieht man im Laufe der Zeit ihr bewegtes Leben nicht an? Jetzt, rechtzeitig vor Beginn der Niederwildsaison, werden sicherlich einige Jäger über den Erwerb einer neuen Flinte, die den "alten Prügel" ersetzen soll, nachdenken. Doch es muss nicht immer eine neue Waffe sein.
Größer
"Zeig mal her, das gute Stück", forderte
mich der schlaksige Sachse auf. Ich
war der Jagdeinladung meines Freundes
Christian gefolgt und habe ihm voller
Stolz von meinem Neuerwerb berichtet.
Vor Kurzem habe ich mir einen
kleinen Traum erfüllt und mir eine alte
Querflinte im Kaliber 16/70 zugelegt.
An sich nichts Besonderes, aber seit
meiner ersten Gesellschaftsjagd in den
neuen Bundesländern wuchs in mir der
Wunsch nach einer Flinte aus der ehemaligen
Deutschen Demokratischen
Republik mit einem stilecht montierten
"Ziel 4"; einem Zielfernrohr mit vierfacher
Vergrößerung. Als gebürtiger Niederösterreicher
fand ich diese Zusammenstellung
zunächst ungewöhnlich.
In der DDR war diese Kombination
für viele Jäger jedoch die einzige reelle
Möglichkeit, Schalenwild gezielt auf
größere Entfernung mit einem Flintenlaufgeschoss
zu erlegen, da die meisten
Jäger nicht über eine Büchse verfügten.
Wunsch nach einer Suhlerin
Im Laufe der Zeit verfestigte sich mein
Wunsch, ebenfalls eine solche Flinte zu
führen, zumal ich von der möglichen
Präzision begeistert war: einem Freund
gelang es, drei Brennecke auf einer Entfernung
von etwa 60 Schritt auf einem
Bierdeckel zu platzieren! "Genau das
Richtige für unsere Drückjagden an der
Mais- oder Schilfkante", dachte ich mir.
Natürlich sollte die Flinte aus Suhl, der
Heimat klassischer und hochwertiger
Flinten, stammen. Nachdem ich durch
Zufall bei meinem heimischen Büchsenmacher
ein entsprechendes Modell der
ehemaligen Büchsenmacherhandwerksgenossenschaft,
der sogenannten Bühag,
fand und wir uns über den Preis geeinigt
hatten, war ich stolzer Besitzer einer
Suhler Querflinte im Kaliber 16/70,
Jahrgang 1954 inklusive "Ziel 4". Im
heimischen Niederösterreich wurde ich
zunächst belächelt, aber die Führigkeit
verbunden mit guten Trefferergebnissen
brachte selbst den überzeugtesten Kritiker
rasch zum Schweigen.
Im folgenden Herbst führte ich die
Flinte aber zum ersten Mal in ihrer alten
Heimat, wo sie natürlich nach meinen
stolzen Erzählungen und überschwänglichem
Lobgesang schnell das Interesseweckte. Dass ich die Querflinte einem
alten erfolgreichen Sportschützen in
die Hand drückte, der in seinem Leben
sicherlich mehr als 100. 000 Schuss mit
Suhler Flinten gemacht hat, wusste ich
zu diesem Zeitpunkt nicht – ansonsten
wäre ich vermutlich erheblich zurückhaltender
mit dem Lob gewesen. Denn
bereits nach zwei Minuten flüchtiger
Begutachtung hieß es: "Schloss klappert,
Schiene ist locker, der Vorderschaft
hinüber!" Innerhalb weniger Sekunden
wurde aus meiner Traumwaffe ein
Haufen Schrott. Sollte ich von meinem
Büchsenmacher etwa übers Ohr gehauen
worden sein? Doch mein sächsischer
Freund relativierte: "Aber ansonsten eine
gute Waffe. Die Läufe sind in Ordnung.
Da kann man noch was daraus machen!"
Verjüngungskur
Größer
Eigentlich bin ich kein Freund davon,
Geld in ein Fass ohne Boden zu werfen,
doch inzwischen hatte ich mich
so an "meine Suhlerin" gewöhnt und
beschloss daher, ihr eine Verjüngungskur
zu spendieren. Mir war klar, wenn
jemand etwas von einer in der Bühag
gefertigten Flinte versteht, finde ich ihn
in Suhl. Ein Jagdfreund empfahl mir die
Firma Gebrüder Adamy, die bereits seit
150 Jahren dem Büchsenmacherhandwerk
in familiärer Tradition nachgeht.
Schrill läutet die Klingel an der vergitterten
Eingangstür. Freundlich werde
ich von dem Inhaber, Helmut Adamy,
begrüßt und durch das etwa 20 Quadratmeter
kleine Ladengeschäft und
über eine knarrende Holztreppe in das
Obergeschoß ins Büro geführt. Während
ich das – mittlerweile in Deutschland
vorgeschriebene – Schloss meines
Stofffutterals öffne und auf den Tisch
lege, steckt sich der 58-jährige Maschinenbauingenieur
und Büchsenmachermeister
genüsslich einen Zigarillo an.
Neugierig untersuchen die fachmännischen
Augen zunächst das Beschusszeichen
und den Hersteller. "Ortlepp
und Sohn. Leider nicht von uns", sagt
Adamy etwas enttäuscht und mit einem
kleinen Augenzwinkern. Nicht ohne
Grund, denn Helmut Adamy ist bereits
die sechste Generation in der Familie,
die dem Büchsenmacherhandwerk verfallen
ist. Gespannt warte ich auf das
Urteil des Fachmanns. Statt harter
Worte, bekomme ich erklärt, worauf
man bei einer gebrauchten Querflinte
achten muss.
Blick des Fachmanns
Größer
"Wichtig ist, dass die Läufe keine Rostnarben
aufweisen und glatt sind." Dies ist
erfreulicherweise der Fall. "In dem linken
Lauf war mal eine Beule drin, die nicht
ganz astrein ausgebeult wurde, aber das
kriegen wir schon hin." Dann weisen die
von handwerklicher Arbeit gezeichneten
Finger in Richtung Patronenlager. Ein
gutes Kriterium, um zu erkennen, ob
die Flinte viel genutzt wurde, seien die
Ränder der Auszieher: "Sind die Kanten
scharf, ist dies ein gutes Zeichen, während
abgerundete oder gar fehlende Kanten ein
Zeichen für eine extreme Abnutzung sind.
Dann passiert es schon mal, dass der Patronenrand
über den Auszieher rutscht."
Um den Verschluss zu prüfen, wird
die Flinte geschlossen und kräftig daran
gewackelt. Das seitliche und vertikale
Spiel beim Hin- und Herwackeln verrät
eindeutig, dass auch hier etwas gemacht
werden muss. "Die klappert ganz schön,
und der Verschluss zieht nicht ganz an.
So hätte Ihnen die eigentlich gar nicht
verkauft werden dürfen. Und wenn, dann
zumindest mit der Auflage, dass Sie zum
Büchsenmacher gehen und den Verschluss
abdichten lassen", sagt der Thüringer
stirnrunzelnd. Dieses verstärkt sich, als
ich erwähne, dass ich die Flinte von
meinem Büchsenmacher erworben
habe. Helmut Adamy, der sich als Vorsitzender
des Bundesinnungsverbandes
für das Büchsenmacher-Handwerk einsetzt,
und sich nicht gerne über Kollegen
äußert, kann sich jedoch nicht wirklich
zurückhalten. "Das muss halt jeder
mit sich selbst ausmachen, aber eigentlich
darf eine Waffe so nicht rausgehen!"
Ursprünglich verlangte mein heimischer
Büchsenmacher satte 1.350 Euro für die
Waffe, da sie als Sammlerstück wertvoll
sei. Schließlich sei die Flinte "DVP"
gestempelt und von der Deutschen
Volkspolizei genutzt worden. Letztlich
konnte ich sie – nachdem sie fast
zwei Jahre lang im Laden eingestaubt
war – für 450 Euro erwerben. Noch zu
viel, wie mir das leichte Kopfschütteln
des 58-Jährigen verrät, der sich lieber
erneut der Zustandsanalyse widmet.
"Der Scharnierstift muss gegen einenstärkeren ersetzt werden, damit das Verschlussstück
weiter nach vorne gezogen
wird, um den Verschluss abzudichten."
Der Kauf einer Gebrauchten lohne sich
nur noch, wenn der Abstand zwischen
Stoßboden und Laufbündel weniger
als zirka einen Millimeter beträgt. "Ist
das Spiel hingegen größer und kann man
mühelos hindurchschauen, wenn man die
Waffe gegen das Licht hält, oder gar einen
Hut durchwerfen, dann legt man sie am
besten auf den Amboss und holt einen großen
Hammer", erklärt Adamy.
Genaue Untersuchung
Zwei Handgriffe und der Laufhaken
liegt auf dem ausgestreckten Zeigefinger
der linken Hand und das Laufbündel
hängt senkrecht nach unten. Die Hämmerchenprobe
soll nun aufzeigen, ob
die Laufschiene noch fest verlötet ist.
Dies sei wichtig, damit beim Kochvorgang
nach der Streichbrünierung keine
Flüssigkeit aus undichten Stellen der
Laufschiene herausläuft und anschließend
für hässliche weiße Flecken auf der
schwarzen Außenhaut sorgt. Flott tanzt
das Hämmerchen zwischen den Läufen
auf und ab und erzeugt einen hellen,
gleichmäßigen Ton. "So muss sich das
anhören, wenn die Schiene fest ist." Nach
nur einem weiteren Schlag erklingt ein
dumpfer Ton. "Oh, hier klingt die Schiene
wie ein Dappsocken", sagt Adamy
lachend, "also wie eine Pantoffel. Sie ist
lose und muss neu gelötet werden!"
Nun geht es ans Innenleben. Da sich
die Schraube am Abzug selbst vom
kräftigen Sven Adamy nicht lösen lässt,
wird der Schraubenzieher in die alte
Drehbank eingespannt. Nach wenigen
Sekunden ist die Schraube gelöst und
Rost und vergammelte Metallteile kommen
zum Vorschein.
Bei dem nächsten Arbeitsschritt wird
es warm: Blau-gelbe Flammen umhüllen
die im Schraubstock festgehaltenen
Läufe, und weißer Rauch steigt auf, der
mich ein wenig an die letzte Papstwahl
erinnert. Mit einer Zange entfernt der
Büchsenmacher die Schiene. Zum Vorschein
kommen Erinnerungen an 54
Jahre harten Jagdeinsatz: Dreck, nichts
als Dreck und Rost. Doch Adamy ist
zuversichtlich und verabschiedet sich
von mir mit den Worten: "Das kriegen
wir schon hin, Sie werden die Waffe in
ein paar Wochen nicht wiedererkennen.
Ich melde mich bei Ihnen." Mit einem
guten Gefühl steige ich in mein Auto
und fahre heim.
Wie neu
Sechs Wochen später ist es so weit. Ich packe das Paket aus und traue meinen Augen kaum. Seidenmatte Läufe und ein glänzender Systemkasten! Diese Verjüngungskur hat sich wahrlich gelohnt, auch das stark in Mitleidenschaft gezogene Schaftholz schaut wie neu aus. Schnell nehme ich meinen Hund an den Strick, greife mein Jagdgerödel und Lockkrähen. Nach nur einer Stunde am abendlichen Lockbild liegen immerhin fünf Rabenkrähen. Überglücklich über meine "neue" Querflinte kehre ich heim und danke in Gedanken meinem sächsischen Freund für seine Idee der "Verjüngungskur". Ob ein Aufarbeiten einer alten Flinte Sinn macht, muss jeder für sich entscheiden. Stellt man die Gesamtkosten (siehe Kasten unten, Kauf und Überarbeitung) in Höhe von rund 1.400 Euro dem Kaufpreis für eine "Flinte von der Stange" gegenüber, ist die zweite Alternative preiswerter. Eine Aufarbeitung ist daher vor allem für traditionsbewusste Jäger empfehlenswert, die gerne mit handwerklich gefertigten Waffen waidwerken. Oder für diejenigen, die mit ihrer Flinte viele schöne Jagderlebnisse verbinden und ihr eine Verjüngungskur gönnen wollen.
Wie neu
Sechs Wochen später ist es so weit. Ich packe das Paket aus und traue meinen Augen kaum. Seidenmatte Läufe und ein glänzender Systemkasten! Diese Verjüngungskur hat sich wahrlich gelohnt, auch das stark in Mitleidenschaft gezogene Schaftholz schaut wie neu aus. Schnell nehme ich meinen Hund an den Strick, greife mein Jagdgerödel und Lockkrähen. Nach nur einer Stunde am abendlichen Lockbild liegen immerhin fünf Rabenkrähen. Überglücklich über meine "neue" Querflinte kehre ich heim und danke in Gedanken meinem sächsischen Freund für seine Idee der "Verjüngungskur". Ob ein Aufarbeiten einer alten Flinte Sinn macht, muss jeder für sich entscheiden. Stellt man die Gesamtkosten (siehe Kasten unten, Kauf und Überarbeitung) in Höhe von rund 1.400 Euro dem Kaufpreis für eine "Flinte von der Stange" gegenüber, ist die zweite Alternative preiswerter. Eine Aufarbeitung ist daher vor allem für traditionsbewusste Jäger empfehlenswert, die gerne mit handwerklich gefertigten Waffen waidwerken. Oder für diejenigen, die mit ihrer Flinte viele schöne Jagderlebnisse verbinden und ihr eine Verjüngungskur gönnen wollen.
Kosten auf einen Blick
1. Lauf:
Löten (inkl. Säubern): 150 bis 200 EUR
Polieren: etwa 30 EUR
Brünieren: 120 EUR
2. Schaft: Vorderschaft neu: 150 bis 200 EUR
Hinterschaft (aufarbeiten, Schlagstellen rausschleifen)
: 200 bis 300 EUR
Fischhaut: 70 EUR
3. Verschluss: Scharnierstift erneuern: 75 bis 150 EUR
4. Beschuss (nötig, wenn an wesentlichen Waffenteilen gearbeitet wird, z. B. Verschluss abdichten): rund 50 EUR
5. Nitrieren: 40 EUR
6. Zusammensetzen: 50 bis 100 EUR Gesamtkosten: zwischen 925 und 1.250 EUR
Polieren: etwa 30 EUR
Brünieren: 120 EUR
2. Schaft: Vorderschaft neu: 150 bis 200 EUR
Hinterschaft (aufarbeiten, Schlagstellen rausschleifen)
: 200 bis 300 EUR
Fischhaut: 70 EUR
3. Verschluss: Scharnierstift erneuern: 75 bis 150 EUR
4. Beschuss (nötig, wenn an wesentlichen Waffenteilen gearbeitet wird, z. B. Verschluss abdichten): rund 50 EUR
5. Nitrieren: 40 EUR
6. Zusammensetzen: 50 bis 100 EUR Gesamtkosten: zwischen 925 und 1.250 EUR
Interview mit dem Büchsenmacher
Größer
St. Hubertus hat Helmut Adamy zum Thema
befragt.
St. Hubertus: Herr Adamy, wann lohnt sich noch eine Investition in eine alte Flinte?
Helmut Adamy: Das hängt vom Allgemeinzustand ab, aber das Wichtigste ist der Zustand der Läufe. Kein Geld würde ich in eine Flinte stecken, bei der die Läufe viele Beulen, starke Rostnarben oder Schlagstellen aufweisen oder der Verschluss so undicht ist, dass ein Abstand zwischen System und Laufbündel von mehr als ca. einem Millimeter vorhanden ist. In diesen Fällen ist die Verschrottung jeweils die bessere Wahl. Die Äußerlichkeiten werden oft überschätzt, eine alte Flinte muss nicht glänzen wie die Silberbüchse von Winnetou. Brünieren und schwarz machen kann man sie immer noch, aber die Läufe sollten von der Laufwandlung her in Ordnung sein, das heißt stark genug.
St. Hubertus: Lässt auch der Schaft Rückschlüsse auf den Gesamtzustand einer Waffe zu?
Adamy: Sicher, hier ist darauf zu achten, dass sich in der Verlängerung des Sicherungsschiebers zur Schaftnase keine Risse zeigen; dann ist Schaft quasi nicht mehr zu retten. Man kann bei dem Griff und den Bäckchen anhand der Abnutzung und den damit verbundenen Rundwätzungen erkennen, dass die Flinte gebraucht worden ist.
St. Hubertus: Sie haben soeben festgestellt, dass es durchaus Sinn macht, die alte Bühag- Flinte aufzuarbeiten? Können Sie den Wert dieser Flinte schätzen?
Adamy: Man muss beim Kauf immer mit einkalkulieren, was man noch investieren möchte. In einem unbearbeiteten Zustand liegt der faire Verkaufspreis zwischen 150 und 350 Euro, je nach Zustand.
St. Hubertus: Was gehört bei einer umfangreichen Aufarbeitung einer Flinte dazu?
Adamy: Das hängt je vom Zustand ab, aber bei einer 50 Jahre alten Waffe ist neben den grundlegenden Funktionen (z. B. Verschluss abdichten) sicherlich notwendig, die Oberfläche zu behandeln. Dazu gehört ein Nitrierbad für den Verschluss als Korrosionsschutz sowie eine Streichbrünierung für Läufe und Kleinteile wie Abzugsbügel.
St. Hubertus: Worin liegt der Unterschied zwischen Streich- und Tauchbrünierung?
Adamy: Eine Tauchbrünierung ist zwar schneller und nicht so aufwändig, eignet sich jedoch nicht für weich verlötete Teile. Durch die andere chemische Zusammensetzung des Brünierbades wird die Lötnaht (insbesondere das Zinn) angegriffen, und das Weichlot löst sich auf. Bei einem Schuss können sich dann die Läufe aufpilzen und sehen dann einem Blumenstrauß ähnlicher als einer Flinte.
St. Hubertus: Gibt es bei alten Flinten in Bezug auf die Verwendung von Stahlschroten etwas zu beachten?
Adamy: Man muss wissen, dass die Chokes bei alten Flinten in der Regel mit einem sehr steilen Übergang vom zylindrischen Teil in Richtung Choke hin gefräst wurden. Beim Beschießen mit Stahlschrot kann es passieren, dass die Flinte an der Mündung "dicke Backen" macht und aufbaucht. Man kann die Chokes zwar nacharbeiten, aber die Konstellation Vollchoke und Stahlschrot ist generell nicht gerade empfehlenswert.
Info Bühag
Nach dem 2. Weltkrieg durften aufgrund
des Kontrollratsbeschlusses
in Deutschland eine Zeit lang keine
Waffen hergestellt werden. Die
bestehenden Firmen bauten daher
zunächst nur Haushaltsgeräte, meistens
Mandel- oder Mohnmühlen.
Später durften nur Flinten, jedoch
keine Büchsen gefertigt werden. Die
Büchsenmacherhandwerksgenossenschaft
wurde im Mai 1949 (vor
Gründung der DDR) gegründet, um
ein Sprachrohr für die bestehenden
Betriebe zu bilden sowie
gemeinsam den Ein- und Verkauf zu
steuern.
Ursprünglich waren in Suhl 50 reine
Büchsenmacher und 450 weitere
Zulieferbetriebe (Schäfter, Rohrmacher,
Schlossmacher u. a.) ansässig.
In Suhl hat sich über Jahrhunderte
eine sehr große Arbeitsteilung und
somit auch eine sehr hohe Spezialisierung
herausgebildet. Es gab etwa
20 Einzelberufe im Rahmen des
Büchsenmacherhandwerks. Heute
sind noch etwas über 30 Betriebe
in der Handwerksrolle eingetragen,
darunter sehr viele Alleinmeister.
Kurz nach der Wende liquidierte
sich die Bühag, da sich die Mitglieder
u. a. nicht darauf einigen
konnten, ob die Bühag in eine Kommanditgesellschaft
umgewandelt
werden sollte.
Es sind noch viele alte Flinten der
Bühag im Umlauf. In den 1950er-
Jahren wurden in der Bühag noch
doppelt so viele Flinten gebaut, wie
im ganzen volkseigenen Sektor.
29.07.2010 08:00
