Größer
Die klassische "Side by Side", möglichst
in einem der dicken englischen Expresskaliber
mit klangvollem Namen, ist auch
heute noch die Waffe des stilbewussten
Großwildjägers. Auch in den Händen
vieler Berufsjäger finden sich die dicken
Doppelrohre, um die Patzer ihrer Kunden
auszubügeln. Stammt so eine Büchse
von einem der renommierten englischen
oder belgischen Hersteller, kostet sie
leicht so viel wie ein Kleinwagen. Wer
dann noch ein paar Euro in Gravuren
investiert, landet schnell bei der automobilen
Mittelklasse. CNC gefertigt, etwa
von Blaser oder Krieghoff, geht’s zwar
bedeutend günstiger, aber so richtig klassisch
sind diese Doppelbüchsen mit
Handspannung und verstellbarem Laufbündel
eigentlich nicht mehr.
Die .375 R VC
Entwickler der neuen 375er Randpatrone ist der französische Ballistiker Joseph Messner, der schon mehrere Patronen geschaffen hat (Über die 6,5 Messner wurde in Jagen Weltweit bereits ausführlich berichtet). Mit der .375 R VC hat Messner jetzt eine echte Großwildpatrone entwickelt. Die Hülse der .375 R VC ist auf dem Reißbrett entstanden und nicht durch Aufweiten oder Einziehen einer Mutterhülse. Wichtig war es für Messner, die Hülse so zu dimensionieren, dass sich das Patronenlager einer .375 Holland&Holland oder .375 H&H Flanged problemlos aufreiben lässt. Alle Maße mussten somit größer sein. Der Rand wurde von der.450/400 3 ¼ NE übernommen. Der Schulterwinkel beträgt 58 °und der P1- Durchmesser 13,95 mm. Mit einer Hülsenlänge von 73 mm und einem Fassungsvermögen von 126 Grains ist die .375 R VC eine beeindruckende Patrone. Auch die Leistung ist nicht von Pappe. Ein 300-Grains-Barnes-TSX wird auf eine Mündungsgeschwindigkeit von 855 m/sek. gebracht. Das sind über 7.000 Joule. Die .375 R VC liegt damit locker im Bereich der .416 Rigby oder .404 Jeffery, schießt sich aber angenehmer. Die neue Patrone hat bereits eine CIP-Zulassung. Die Hülsen werden bei Horneber in Deutschland gefertigt. Eine randlose Version hat Messner ebenfalls bereits fertig und die CIP-Zulassung ist in Kürze zu erwarten.
Es handelt sich um eine interessante neue .375er Randpatrone, die deutlich mehr Leistung bietet, als die etwas antiquierte .375 H&H Flanged. Wer glaubt, diese Mehrleistung nutzen zu können, kann eine Büchse im Kaliber .375 H&H oder .375 H&H Flanged mit geringem Aufwand aufreiben lassen – vorausgesetzt der Verschluss ist stabil genug. Interessant wäre das für Besitzer einer Ruger No. 1 Blockbüchse im Kaliber .375 H&H. Bei einer Doppelbüchse sollte man sich das gut überlegen, denn ob die beiden Läufe nachher noch zusammenschießen ist eher unwahrscheinlich. Ein neues Garnieren des Laufbündels wäre alles andere als günstig.


