Die neue Französin

Verney Carron Azur Safari

Der französische Hersteller Verneyy Carron fertigt im Rahmen der Azur Safari Serie Doppelbüchsen in klassischer Aufmachung zu vergleichsweise günstigen Preisen. Jetzt hat Verney Carron auch ein eigenes Großwildkaliber herausgebracht. Eine Azur Safari Luxe im neuen Kaliber .375 R Verney Carron stand uns zur Verfügung.
VC_Aufmacher.jpg © Norbert KlupsGrößer Die klassische "Side by Side", möglichst in einem der dicken englischen Expresskaliber mit klangvollem Namen, ist auch heute noch die Waffe des stilbewussten Großwildjägers. Auch in den Händen vieler Berufsjäger finden sich die dicken Doppelrohre, um die Patzer ihrer Kunden auszubügeln. Stammt so eine Büchse von einem der renommierten englischen oder belgischen Hersteller, kostet sie leicht so viel wie ein Kleinwagen. Wer dann noch ein paar Euro in Gravuren investiert, landet schnell bei der automobilen Mittelklasse. CNC gefertigt, etwa von Blaser oder Krieghoff, geht’s zwar bedeutend günstiger, aber so richtig klassisch sind diese Doppelbüchsen mit Handspannung und verstellbarem Laufbündel eigentlich nicht mehr.

Die .375 R VC

Entwickler der neuen 375er Randpatrone ist der französische Ballistiker Joseph Messner, der schon mehrere Patronen geschaffen hat (Über die 6,5 Messner wurde in Jagen Weltweit bereits ausführlich berichtet). Mit der .375 R VC hat Messner jetzt eine echte Großwildpatrone entwickelt. Die Hülse der .375 R VC ist auf dem Reißbrett entstanden und nicht durch Aufweiten oder Einziehen einer Mutterhülse. Wichtig war es für Messner, die Hülse so zu dimensionieren, dass sich das Patronenlager einer .375 Holland&Holland oder .375 H&H Flanged problemlos aufreiben lässt. Alle Maße mussten somit größer sein. Der Rand wurde von der.450/400 3 ¼ NE übernommen. Der Schulterwinkel beträgt 58 °und der P1- Durchmesser 13,95 mm. Mit einer Hülsenlänge von 73 mm und einem Fassungsvermögen von 126 Grains ist die .375 R VC eine beeindruckende Patrone. Auch die Leistung ist nicht von Pappe. Ein 300-Grains-Barnes-TSX wird auf eine Mündungsgeschwindigkeit von 855 m/sek. gebracht. Das sind über 7.000 Joule. Die .375 R VC liegt damit locker im Bereich der .416 Rigby oder .404 Jeffery, schießt sich aber angenehmer. Die neue Patrone hat bereits eine CIP-Zulassung. Die Hülsen werden bei Horneber in Deutschland gefertigt. Eine randlose Version hat Messner ebenfalls bereits fertig und die CIP-Zulassung ist in Kürze zu erwarten.

Es handelt sich um eine interessante neue .375er Randpatrone, die deutlich mehr Leistung bietet, als die etwas antiquierte .375 H&H Flanged. Wer glaubt, diese Mehrleistung nutzen zu können, kann eine Büchse im Kaliber .375 H&H oder .375 H&H Flanged mit geringem Aufwand aufreiben lassen – vorausgesetzt der Verschluss ist stabil genug. Interessant wäre das für Besitzer einer Ruger No. 1 Blockbüchse im Kaliber .375 H&H. Bei einer Doppelbüchse sollte man sich das gut überlegen, denn ob die beiden Läufe nachher noch zusammenschießen ist eher unwahrscheinlich. Ein neues Garnieren des Laufbündels wäre alles andere als günstig.

Die Verney Carron Azur Safari Luxe

VC_Kasten und Lauf.jpg © Norbert KlupsGrößer Die Azur Safari ist aufgemacht wie eine klassische englische Expressbüchse. Sie ist dabei aber für eine Großwildbüchse fast schon zierlich, auch wenn sie knapp über 4 kg wiegt. Laufbündel und Vorderschaft wiegen 2.060 g. Damit ist die Safari sehr gut ausbalanciert. Das 60 cm lange Laufbündel weist eine Mündungsbreite von nur 33,5 mm auf. Die einzelnen Läufe haben einen Mündungsdurchmesser von lediglich 13,5 mm. Die Läufe sind in herkömmlicher Art mit einer auf voller Länge verlöteten Verbindungsschiene zusammengelegt. Zwischen den Läufen schaut an der Mündung der Keil etwas heraus, sodass später noch eine Korrektur möglich ist, wenn die Büchse auf eine andere Laborierung eingeschossen werden soll. Dazu muss natürlich gelötet werden. Die Verriegelung übernehmen Laufhaken. Diese sind nicht wie gewohnt massiv in einem Stück ausgeführt, sondern zweifach unterteilt. Verney Carron nennt das Tripple-Lock-Verschluss. Der mittlere Teil ist 5,5 mm breit, die beiden flankierenden Teile jeweils 5 mm. Das vordere Trio stützt sich am massiven Scharnierbolzen ab, das hintere Trio wird mit einem breiten Keil verriegelt.

Auf eine Schienenverlängerung und einen Greener Querriegel wird verzichtet. Bei diesem sehr stabil wirkenden Verschluss geschieht das wohl zu Recht. Bedient wird der Verschluss nach herkömmlicher Art über einen Oberhebel. Der massive Stahlkasten ist lediglich 44 mm breit und für eine .375er Doppelbüchse fast schon zierlich zu nennen. Durch die formschönen Banden wirkt er geradezu klassisch und sehr elegant. Die meisterlich gestochene feine Rosettengravur mit kleinen Blumenmotiven passt sehr gut zur dezenten Aufmachung der Büchse. Bei einer Büchse dieser Güte darf natürlich ein Ejektor nicht fehlen. Verney Carron benutzt einen automatischen Auswerfer nach dem System Holland&Holland, der im Eisenvorderschaft untergebracht ist. Der Ejektor wirft die abgefeuerten Hülsen kräftig und weit aus. Als Schloss wird ein bewährtes Kastenschloss nach Anson&Deeley eingesetzt. Die Schlagbolzen sind von vorn verschraubt.

Visierung und Zielfernrohr

Auch bei Kimme und Korn bewegt sich der französische Hersteller in eingefahrene Bahnen. Das Laufbündel ist mit einer Viertelschiene ausgestattet, in die ein Expressvisier mit zwei Klappen eingeschoben ist. Das Standvisier mit in Gold eingelegtem Mittelstrich ist für 50 m ausgelegt die beiden Klappen für 75 und 100 m. Die Klappen sind entsprechend beschriftet. Für den präzisen Punktschuss ist ein feiner U-Ein-schnitt von 1,5 mm vorhanden. Wenn es schnell gehen muss, reicht der weite Ausschnitt zwischen den "Ohren" der Kimme. In dem massiv wirkenden Kornsockel ist ein feines Silberperlkorn von 2 mm Durchmesser von vorne eingeschoben. Das lässt sich gut mit dem feinen UAusschnitt in Einklang bringen, ist jedoch für den schnellen Schuss auf Kurzdistanz etwas mickrig ausgefallen. Hier fehlt ein dickes, weißes Klappkorn, das sich über das feine Silberperlkorn klappen lässt oder aber ein Korn, das von vorn hochgeklappt wird und bei Nichtgebrauch im Kornträger verschwindet. Die Visierschiene ist als Schutz vor Reflexionen fein graviert.

Bei abgenommenem Zielfernrohr stören die Montageteile nicht beim Schuss über die offene Visierung. Die Testwaffe war mit einem Swarovski Zielfernrohr 1-6x24 mit Leuchtabsehen aus der Z6i-Serie ausgestattet. Technisch handelt es sich dabei sicher um eines der besten zurzeit erhältlichen Drückjagdzielfernrohre. Für diese klassische "Side by Side" wirkt die moderne Zieloptik mit der hinten auf dem Okular platzierten Leuchteinheit schon etwas zu modern und futuristisch. Praktisch ist jedoch, dass die Ausführung EE gewählt wurde. Diese Spezialversion hat einen verlängerten Augenabstand von 120 mm, was zum entspannten Schießen mit der .375er sehr beiträgt. Die Augenbraue befindet sich stets in beruhigend weitem Abstand zum Okular der Zieloptik. Ein Zielfernrohr mit Leuchtabsehen ist sicher eine feine Sache – aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Abzug und Sicherung

VC_Patrone.jpg © Norbert KlupsGrößer Die Büchse ist mit einem Doppelabzug ausgestattet. Der vordere Abzug hat ein Rückgelenk, das den Abzugsfinger vor Prellungen bewahrt,Das ist eine sehr sinnvolle Sache. Das Abzugsgewicht lag bei 2,7 und 3,0 kg. Nun sollte eine Büchse für die Großwildjagd nicht über einen sensiblen Abzug verfügen, damit es nicht unbeabsichtigt knallt, wenn der Adrenalinspiegel steigt. 700 bis 800 g weniger Abzugsgewicht wären optimal für genügend Sicherheit und einen sauberen Schuss. Die Sicherung liegt als Schieber auf dem Kolbenhals und blockiert die Abzüge. Sie lässt sich lautlos bedienen und sichert sinnvollerweise nicht automatisch.

Klassischer Schaft und langer Abzugsbügel

Der Schaft ist ein klassischer Doppelbüchsenschaft mit geradem Rücken und deutscher Backe. Der Pistolengriff ist recht flach gestellt und hat ein stählernes Abschlusskäppchen, natürlich ebenfalls fein graviert. Als Abschluss des Hinterschaftes dient eine 1 cm starke Gummikappe. Ein interessantes Detail für Kenner ist der verlängerte, bis zum Pistolengriff hingezogene Abzugsbügel, der als Schaftverstärkung dient. Als Schaftholz wurde ein dunkles, fein gemasertes Stück Nussholz gewählt. Die Oberfläche ist in aufwendiger Handarbeit poliert und geölt. Dadurch wurde ein edles Finish erzielt, das die Holzmaserung gut zur Geltung bringt. Natürlich ist ein solcher Schaft entsprechend empfindlich. Die Fischhaut ist wirklich scharf und für eine Großwildbüchse eher fein gehalten. Der schmale Vorderschaft ist mit einem Purdey-Drücker am Laufbündel befestigt. Auf Riemenbügel hat Verney Carron verzichtet. Viele Großwildjäger tragen eine Doppelbüchse lieber ohne Riemen, da würden Basen nur stören. Wer will, kann natürlich Riemenbügel anbringen lassen.

Auf dem Schießstand

VC_Mündung.jpg © Norbert KlupsGrößer Bei einem neuen Kaliber ist es immer von besonderem Interesse, wie sich die Büchse schießt. 4 kg sind kein besonders hohes Gewicht für eine Doppelbüchse und die .375 V RC ist mit immerhin 100 Grains Norma MRP geladen. Das erste Schusspaar wurde ohne Zieloptik auf 50 m vom Sandsack aus geschossen. Die beiden Einschüsse befanden sich nur etwa 2 cm voneinander entfernt auf der Scheibe, wobei die Büchse genau Fleck schoss. Hier hat man im Werk genaue Arbeit beim Justieren der Läufe und dem Einrichten des Eisenvisiers geleistet.Der Rückstoß ist erstaunlich angenehm – wobei angenehm hier natürlich relativ ist. Wenn ein 300-Grains-Geschoss mit über 800 m/sek. auf die Reise geschickt wird, merkt der Schütze schon deutlich, wann er abgedrückt hat – und das nicht nur am Knall! Der Rückschlag ist aber im Vergleich nicht härter wie bei einer .375 Holland&Holland. Joseph Messner hat eine angenehm zu schießende und leistungsstarke Patrone entwickelt.

Die Testwaffe wurde leider mit nur sechs Patronen geliefert. Die restlichen vier Schuss wurden über das Zielfernrohr abgegeben, ebenfalls auf 50 m von der Sandsackauflage. Zwischen den beiden Schusspaaren wurde eine Kühlpause von 15 Minuten eingelegt. Die vier Schüsse lagen auf 32 mm zusammen. Damit schießt die Büchse hervorragend. Es ist bei einer Doppelbüchse mit fest verlöteten Läufen mehr als ratsam, bei der Bestellung die Munitionssorte anzu-geben, mit der die Waffe einreguliert werden soll und sich davon einen größeren Vorrat des gleichen Loses zuzulegen. Alles andere ist ein Glücksspiel und manchmal ein sehr teures, wenn sich keine Patrone findet, die in der Waffe zusammenschießt und das Laufbündel umgelötet werden muss.

Resümee

Die Verney Carron Safari ist eine führige und sehr geschmackvoll aufgemachte Doppelbüchse im klassischen Stil. Zum Lieferumfang gehört ein Gewehrkoffer. Die Abzüge sollten etwas leichter gestellt und das feine Korn durch ein etwas Kräftigeres ersetzt werden. Der Preis der hier vorgestellten Ausführung liegt bei 18.500 €. Natürlich ist das ohne Zieloptik und Montage zu verstehen. Im Vergleich zu einer entsprechenden Doppelbüchse aus der Produktion einer englischen Nobelfirma mit klangvollem Namen ist das geradezu günstig und auch die Lieferzeit dürfte deutlich kürzer sein. Die neu entwickelte .375 R VC wird in Zukunft sicher eine Rolle spielen und und auch bei anderen Herstellern zu finden sein. Sie kombiniert eine hohe Leistung mit erträglichem Rückstoß.

V e r n e y C a r r o n A z u r S a f a r i

Hersteller: Verney Carron, Frankreich
Importeur: Lippejagd Brinkmann, Lippstadt
Kaliber: .375 R VC, auch alle anderen klassischen Großwildkaliber
möglich.
Lauflänge: 60 cm
Verschluss: 2 x 3 Laufhaken.
Schloss: Kastenschlosse nach Anson & Deeley
Abzugseinrichtung: Doppelabzug, vorderer Abzug mit Rückgelenk
Visierung: Feste Kimme für 50 Meter, Klappen für 75 und 100 Meter,
Silberperlkorn.
Sicherung: Schiebesicherung auf dem Kolbenhals
Gravuren: Feine Rosetten mit Blumenmotiven
Hinterschaft: Gerader Schaftrücken mit deutscher Backe, geöltes Nussbaumholz,
Schaftkappe aus Gummi
Vorderschaft: Flacher Jagdvorderschaft, Befestigung durch Purdey-Drücker
Gesamtlänge: 102 cm
Gesamtgewicht: 4.025 g
Preis: 18.500 €
12.02.2012 11:45

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