Wie man sich bettet,… so schießt man.

Jagdpraxis

Wenn eine Repetierbüchse nicht präzise schießt oder sich die Treffpunktlage von Zeit zu Zeit ändert, kann das an einer fehlerhaften Bettung des Büchsensystems liegen. Wir erklären, wie man das Problem in den Griff bekommt.
Systembettung_Aufmacher.jpg © Norbert KlupsGrößer Soll eine Repetierbüchse mit Holzschaft wirklich bei allen Witterungsverhältnissen konstant gut schießen, kommt man um eine Bettung des Systems eigentlich kaum herum. Viele Waffenhersteller berücksichtigen dies bereits und liefern ihre Waffen bereits ab Werk mit einer Schafteinlage aus Aluminiumblöcken oder Kunstharz aus. Das System liegt dann mit seiner Unterseite in einem genau ausgeformten Bett und die Rückstoßkräfte werden gleichmäßig auf den Schaft übertragen. Das sorgt für eine gute und vor allem gleichmäßige Schussleistung über einen langen Zeitraum. Wichtig ist der wirklich spannungsfreie Sitz des Systems im Schaft.

Spannung pur


Eine Büchse, deren System unter Spannung steht, wird nie wirklich präzise schießen. Um zu sehen, ob ein System unter Spannung steht, werden die beiden Systemschrauben abwechselnd gelöst. Wenn nur eine Schraube losgedreht wird, darf sich das System nicht aus dem Schaftbett heben. Wenn es sich hier bereits bewegt, ist Spannung vorhanden und diese muss beseitigt werden. Das kann durch eine einfache Nacharbeitung des Systembettes im Schaft geschehen, also reine Holzarbeiten oder durch eine echte Systembettung. Die geläufige Methode ist das Ausgießen des Systembettes mit einer speziellen Kunstharzmasse. Vorher muss natürlich Holz weggestochen werden, um Platz für den Kunststoff zu schaffen. Eine Kunstharzbettung ist eigentlich Sache für den Büchsenmacher und ein kostbarer Nussbaumschaft ist schnell vermurkst. Wer über handwerkliche Fähigkeiten verfügt, kann das mit den heute erhältlichen Bettungs-Kits selbst machen. Anhand des Brownell Bettungs-Kits wird nachfolgend die Arbeitsweise bei einer Systembettung beschrieben. Grundsätzlich funktioniert dies mit der Bettungsmasse anderer Hersteller genauso.

Brownells Kit zur Systembettung

Das amerikanische Unternehmen Brownell, Spezialist für Waffenzubehör und Büchsenmacherwerkzeuge, bietet einen Bettungs-Kit an, der einfach zu handhaben ist und alles enthält, was zur Bettung eines Büchsensystems notwendig ist. Mit diesem Set soll es auch dem handwerklich begabten Laien möglich sein, eine Systembettung herzustellen oder Schaftreparaturen durchzuführen. Kleber und Härter befinden sich in zwei getrennten Tuben Zum Set gehören auch Trennmittel, Spatel zum Einbringen der Masse und ein Hilfswerkzeug, um die Tuben bequem einzurollen. Das eigentliche Harz ist weiß, der Härter dagegen dunkelbraun. Beim Mischen entsteht eine schöne brauneFarbe, die zu mittelbraunen bis dunklen Schafthölzern gut passt. Das eigentliche Kunstharz wird durch die Lagerung hart und, um es aus der Tube zu bekommen, sollte die Tube in heißes Wasser gelegt werden. Zuvor sind zunächst einige Arbeiten am Systembett im Schaft erforderlich.

Das Harz braucht Platz

Systembettung_Schraubzwingen.jpg © Norbert KlupsGrößer Um Platz für das Bettungsmittel zu schaffen, muss das Systembett zunächst nachgestochen werden. Unten und seitlich wird Holz entfernt. Dabei muss nicht allzu sauber gearbeitet werden, denn für eine glatte Oberfläche sorgt ja wieder das Bettungsmittel. Es sollte etwa 1 bis 1,5 mm Platz geschaffenwerden, der später von der Bettungsmasse ausgefüllt wird. Es empfiehlt sich nicht, einfach Holz wegzustechen, sondern vorher genau zu schauen, wo das wirklich und in welchem Umfang nötig ist. Sind schon große Spalten an den Seiten vorhanden, muss dort kaum Holz entfernt werden, denn die Masse füllt später den kompletten Raum zwischen Holz und Metall aus. In der Regel reicht es, den Hülsenkopf des Systems zu betten. Wurde genügend Holz entfernt, ist das frei gestochene Bett mit Azeton fettfrei zu machen. Besonders bei Ölschäften ist das für einen guten Halt des Harzes im Holz wichtig.

Gut getrennt ist halb gewonnen


Ebenfalls im Set und sehr wichtig ist ein Trennmittel. Alle Metallteile, die mit der Bettungsmasse in Berührung kommen können, werden sorgfältig mit der blauen Flüssigkeit eingepinselt. Vorher werden ebenfalls die Metallteile entfettet, damit das Trennmittel gut haftet. Bettungsmasse ist ein Teufelszeug und klebt hervorragend. Wird ein Fehler gemacht, sind nach dem Aushärten Schaft und System untrennbar miteinander verbunden und, um den Schaft abzunehmen, muss dieser zerstört werden. Das Trennmittel muss antrocknen. Die Gewindebohrungen für die Systemschrauben sollten verschlossen werden, damit dort keine Bettungsmasse eindringt. Das geht ganz einfach mit etwas Küchenkrepp, das hineingestopft wird. Der Abzug sollte unbedingt entfernt werden. Wenn hier Bettungsmasse eindringt, sind aufwendiges Zerlegen und Reinigen erforderlich. Wird das komplette System gebettet, muss der Magazinschacht abgedichtet werden. Das gelingt etwa mit Knetmasse sehr gut. Bei einer Bettung des Hülsenkopfes ist das nicht unbedingt erforderlich, wenn man aufpasst, nicht zu große Mengen der Bettungsmasse einzubringen.

Läuft etwas in den Schacht, lässt es sich leicht auswischen oder später nach dem Aushärten mit einer flachen Feile entfernen. Bevor die Bettungsmasse eingebracht wird, muss überlegt werden, in welcher Weise System und Schaft für die Zeit der Aushärtung zusammengehalten werden sollen. Das geht durch das Umwickeln mit Klebeband, starke Gummibänder oder wesentlich einfacher mit Schraubzwingen. Werden Schraubzwingen verwendet, muss ein Gegenlager unten am Schaft benutzt werden, damit das Schaftholz nicht beschädigt wird. Dazu reicht es, eine grob zugeschnittene Metallschiene in die Ausfräsung für Magazinkasten und Abzugsbügel einzulegen. Sie dient als Gegenlager für die beiden Schraubzwingen, die über den Hülsenbrücken befestigt werden.

Einbringen des Bettungsmittels


Die beiden Komponenten Harz und Härter werden im Verhältnis 1:1 gemischt und sorgfältig verrührt, bis eine geschmeidige Masse ohne Klumpen entstanden ist. Die Bettungsmassewird mit der beiliegenden Holzspachtel in das Systembett eingebracht und Holz sowie Metallteile werden zusammengefügt. Mit den beiden Schraubzwingen wird das System in das Bett gedrückt. Seitlich am vorderen Hülsenkopf sollte jetzt etwas Bettungsmasse herausquellen, damit sicher ist, dass auch der ganze frei gestochene Raum ausgefüllt wird. Die austretende Bettungsmasse kann mit einem Tuch abgewischt werden. Jetzt muss das Ganze in Ruhe aushärten.

Fazit


24 Stunden sollte man sich Zeit lassen, bevor das System wieder aus dem Schaft gelöst wird. Das geschieht durch vorsichtiges Klopfen. Jetzt haben wird ein genau passendes Bett aus Kunstharz für den Hülsenkopf im Schaftholz. Da das Bettungsmittel so gut wie nicht schrumpft, hat das System nach dem Aushärten einen sehr festen und spannungsfreien Sitz. Nach dem Zusammenbau haben wir eine Büchse mit wirklich spannungsfrei gebettetem System. Der zweite Vorteil ist die zusätzliche Stabilität, die dem Schaft verliehen wird. Ein in Kunststoff gebettetes System überträgt die Rückstoßkräfte gleichmäßiger auf das Schaftholz. Schaftrisse sind fast ausgeschlossen. Von außen ist bei zusammengebauter Büchse fast nichts sichtbar. Lediglich links und rechts vom Hülsenkopf ist zwischen Holz und Metall ein schmaler Streifen der dunkelbraunen Bettungsmasse zu erkennen Der Brownells Bettungs-Kit eignet sich nicht nur für komplette Systembettungen, sondern auch für kleine Schaftreparaturen oder wenn beim Einschäften versehentlich zu viel Holz weggestochen wurde. Der Kit kostet etwa 50 € und reicht für mindestens zwei komplette Bettungen.
19.03.2012 09:50

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