Edle Begleiterin

Arratti Bockdoppelflinte

Die schmucke Arratti Bockdoppelflinte von Kettner bietet ausgereifte Technik und eine sehr gute Balance. Eine Jagdflinte, die mit einigen "Schmankerln" aufwartet, die man sonst nur von viel teureren Flinten her kennt. Lesen Sie hier die ersten Eindrücke.
Schon der erste Eindruck der italienischen Arratti Bockdoppelflinte vermitteltGediegenheit und Klassik. Anschlagsübungen zeigten mir die sehr gute Balance und das gute Schwingverhalten an. Die edle Flinte ist mit dunkel gehaltenem, gut gemasertem Nussbaumölschaft ausgestattet. Blickfang ganz gewiss die Stahlbasküle mit ihrer vollflächigen Arabesken- und Rankengravur. Ganz nach dem Motto: "Edel muss es sein!" Die Flinte hat eine kräftige Stahlbasküle mit einer Seitenverstärkung. Das Laufbündel ist an Scharnierzapfen aufgehängt, die sich nach vorne am vollen Material abstützen. Falls mal eine Nachdichtung erforderlich werden sollte, ist dies darüber einfach möglich. Die Spannstange besteht aus einem Flachstahlstück, das im Baskülenboden perfekt geführt wird. Die Muschelierung fällt ansprechend aus. Auf der Scheibe liegt die Schiebesicherung, die den Abzug blockiert. In den Sicherungsschieber wurde der Laufwahlschalter integriert. Die mit sehr feinen Arabesken und stärkeren Ranken vollflächig gravierte Basküle wurde korrosionsbeständig nitriert. Öffnungshebel und Sicherungsschieber brünierte Arratti. Das Blitzschloss auf dem Abzugsblech wurde dank Gravur "unsichtbar" in die Basküle eingesetzt.

Es handelt sich um ein Schloss mit hinten hochgelegten und sehr schräg verlaufenden Abzugsstangen. Die Kräftewirkungen sind optimal und die Rasten wurden sehr sauber gearbeitet. Das gilt übrigens auch für das gesamte Schloss. Die Kraft für die Schlagstücke stammt von Schraubenfedern auf Führungsstangen. Die Schlagbolzen springen zurück. Sie sind von hinten verschraubt. Umgeschaltet wird per Schwinggewicht durch den Rückstoß. Die Waffe ist mit einem selektiven Einabzug ausgerüstet. Das breite, glatte Züngel bietet eine angenehme Anlage für den Abzugsfinger. Der große brünierte Stahlabzugsbügel lässt bequem ein Schießen mit Handschuhen zu. Als Abzugswiderstände wurden 1.480 und 1.660 g im Mittel gemessen. Solche Werte erreichen viele Topflinten im sehr hohen Preisniveau nicht. Der Abzug steht nach sehr kurzem, leichtem Vorzug trocken.

Das 75 cm lange Laufbündel wurde in einem Monoblock gefasst. Die Monoblockseiten weisen einen Sonnenschliff auf. Das Laufbündel wurde klassisch mit Schienen verlötet. Sowohl Zwischen- als auch Visierschiene sind ventiliert, was schnellerer, gleichmäßiger Laufabkühlung zugutekommt. Die 11 mm breite Visierschiene wurde sehr fein guillochiert. Auf ihr sitzt ein rotes Korn in Form eines Licht sammelnden Fiberglasstabes. Die innen hart verchromten Läufe weisen einen Durchmesser von 18,6 mm auf, was deutlich über dem CIP-Mindestmaß von 18,2 mm liegt. Solche Overbore-Läufe haben hinsichtlich hoher Schussleistung die Nase vorn. Sie erhöhen nicht nur geringfügig die Mündungsgeschwindigkeit, sondern sorgen auch für weniger Randschrote sowie für ausgezeichnete Deckung und hohe Gleichmäßigkeit. Die Läufe sind mit mündungsbündigen Wechselchokes ausgestattet. Mitgeliefert wurden Zylinder-, ¼-, ½-, ¾- und Voll-Chokes.

Art BOSS Verriegelung

Am Laufbündel wurde eine Öse für Riemenbügel angelötet. Das Gegenstück im Hinterschaft fehlt, wird aber mitgeliefert. Im Monoblock befinden sich kräftige Federejektoren, die über Stifte in der Basküle und Wippen im Eisenvorderschaft gesteuert und aktiviert werden. Das Laufbündel baut nur 58 mm hoch. Die Basküle selbst ist mit 62,5 mm Höhe sehr niedrig. Die Breite beträgt 45 mm. Ermöglicht wird die niedrige Bauhöhe durch einen hakenlosen Verschluss. Arratti wählt eine Laufbündelverriegelung nach Art BOSS. Der Monoblock bildet im unteren Drittel eine Art Vor- oder Übersprung aus. Diese "Verlängerungen" finden ihr Lager in beidseitigen Ausfräsungen im Stoßboden der Basküle. Beim Verriegeln schieben sich leicht konische Keile über diese Vorsprünge. Da recht hoch verriegelt wird, werden auch die Abkippkräfte im Schuss minimiert. Eine solide Verriegelung, die nicht nur eine elegante Bauweise erlaubt, sondern auch stark und sehr langlebig ist. Der sich ganz leicht verjüngende, griffige Vorderschaft kann mittels Schnäpper abgenommen werden. Der an das Kreuzteil des Baskülen-Rahmens von Scheibe und Abzugsblech geschraubte Hinterschaft hat einen Pistolengriff und klassisch gestaltete Backen mit viel Fleisch, sprich Holz. Er schließt nach schwarzer Zwischenlage mit schmaler, aber offen ventilierter Gummischaftkappe ab. Der 37,3 cm lange Hinterschaft ist leicht geschränkt. Am Vorderschaft und Pistolengriff wurde eine feine Fischhaut geschnitten. Das Laufbündel weist zwar einen verstärkten, aber keinen Stahlschrotbeschuss (Lilie) auf. Damit ist man bei den Weicheisenschroten auf die maximale Stärke von 3,25 mm beschränkt. Die Universalität leidet sicherlich darunter. Man kann somit nicht alle nichttoxischen Patronen für die Wasserwildjagd verwenden. Sicherlich liegt die Domäne der Flinte bei der Feldjagd auf Hasen, Kaninchen, Fasane und Hühner. Auch für das Fuchssprengen im Winter ist sie bestens geeignet. Weiterhin lässt sich die Flinte sehr gut beim jagdlichen Trap und Skeet sowie auf den Parcours einsetzen.

Handhabung und Schussleistung


Die 120 cm lange und 3,4 kg schwere Flinte hat eine sehr gute Balance und schwingt sehr gut. Das Hinterteil wiegt übrigens 1,6 kg und das Vorderteil 1,8 kg. Neben dem jagdlichen Einsatz wurde die Flinte noch auf Wurfscheiben eingesetzt. Ihre Funktion war fehlerlos. Die eher raue und bremsende Gummischaftkappe konnte wenig gefallen. Die Waffe ist sehr gut verarbeitet. Das Laufbündel wurde spiegelblank poliert und tiefschwarz brüniert. Den glatten Schaft hat man wetterbeständig geölt. Die Metall-/Holzpassungen stimmen, sieht man mal von kräftigen Übergängen ab. Die Schaftkappe wurde nicht sehr sorgfältig verschliffen. Kanten sind sichtund fühlbar. Die Schussleistung wurde auf der 16-Felder-Scheibe auf 35 m ermittelt. Die Läufe schossen etwa 10 cm hoch, was vorteilhaft ist.

Beide Läufe schossen sehr gut zusammen. Die Schussleistung wurde mit ¼- und ¾-Chokes ermittelt. Mit Rottweil-Patronen Waidmannsheil 12/70 (3,0 mm) wurden 58 und 69 Trefferprozente erzielt, bei hervorragender Deckung und sehr guter Gleichmäßigkeit. Mit Winchester Patronen Supreme 12/76 (3,25 mm) wurden 62 und 74 Trefferprozente ermittelt, bei sehr guter Deckung und hoher Gleichmäßigkeit. Der Flinte kann eine hervorragende Schussleistung bescheinigt werden. Ebenso wie man sie auch erwartet. Manko ist bestimmt der fehlende Stahlschrotbeschuss. Ihn könnte man sicherlich bedenkenlos nachholen oder er wurde vergessen. Die Wechselchokes jedenfalls sind stahlschrottauglich. Die gut ausbalancierte Bockdoppelflinte hat ein edles Erscheinungsbild.

Sie ist führig und elegant, wozu der Art BOSSVerschluss beiträgt. Eine Gebrauchsflinte, an der man auf dem Wurfscheibenstand sowie in Feld und Wald viel Freude haben wird. Heute gibt es eine schier unendliche Zahl an Bockdoppelflinten, sodass die Arratti zahlreiche Konkurrenz hat. Etwa mit der Beretta 686 (Flankenverschluss), Zoli- sowie Browning-Flinten. Mit Art BOSS-Verschluss wird die Konkurrenz schon dünner. Mir fallen da spontan die Zoli Kronos-, Renato Gamba- und Aya-Flinten ein. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist bei der Arratti sehr gut.

Bo c k d o p p e l f l i n t e A r r a t t i

Waffe: Arratti
Importeur: Kettner
Waffenart: B ockdoppelflinte
Kaliber: 12/76
Schloss: B litzschloss, Schraubenfedern auf Stangen, Umschaltung
durch Rückstoß, Laufwahlschalter im Sicherungsschieber
Basküle: Stahl, seitenverstärkt, Scharnierzapfen, geführte Spannstange
im Boden
Laufbündel: Monoblock, verlötet, Visier- und Zwischenschiene ventiliert,
Fiberglas-Leuchtkorn
Chokes: mündungsbündige Wechselchokes, Zylinder-, ¼-,. ½-, ¾-,
Voll-Choke
Ejektoren: ja (Federejektoren im Monoblock)
Abzugs: selektiver Einabzug
Laufverriegelung: Art BOSS
Sicherung: Abzugssicherung (Schieber auf Scheibe)
Schaft: Nussbaum-Ölschaft, Vorderschaft mit Schnäpper, Hinterschaft
mit Pistolengriff und ventilierter Gummischaftkappe,
feine Fischhaut
Lauflänge: 75 cm
Waffenlänge: 120 cm
Waffengewicht: 3,4 kg
Schaftmaße: Hinterschaftlänge 373 mm
Senkung Nase 40 mm
Senkung Schaftkappe 55 mm
Leichte Schränkung
Schussleistung: siehe Text

Überblick

Vorteile
+ Elegante, niedrige Bauweise
+ Hervorragender Abzug (niedriger Widerstand)
+ Hervorragende Schussleistung
+ Wechselchokes (stahlschrottauglich)
+ Overbore-Läufe
+ Sehr gute Gravur
+ Solides Blitzschloss
+ Art BOSS-Verriegelung
+ Starke Ejektoren
+ Ventilierte Visier- und Zwischenschiene
+ Guter selektiver Einabzug
+ Guter Nussbaum-Ölschaft

Nachteile

- Kein Stahlschrotbeschuss
- Bremsende Gummischaftkappe
- Schaftkappe nicht gut verschliffen
08.04.2012 13:12

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