Messer mit Pfiff

Phoenix mit Kugel

Das Phoenix wurde vom bekannten amerikanischen Messermacher Howard Viele für Spyderco entworfen und benutzt zur Verriegelung den Ball-Bearing-Arretierungsmechanismus. Ob das Messer in der Praxis taugt, haben wir für Sie getestet.
Spyderco_Aufmacher.jpg © Norbert KlupsGalerie Das Phoenix ist nicht das erste Modell, das Viele für Spyderco entworfen hat. Auch hier findet sich wieder sein Markenzeichen in Form von drei parallel angeordneten Bohrungen in der Klinge. Die Klinge ist 76 mm lang und mit einer Stärke von 3 mm ausreichend stabil. Als Stahl wird der bei Spyderco beliebte VG 10 verwendet. Die Klinge ist hohl geschliffen, wobei die Anschliffkante aber etwas heruntergezogen ist, um die Klinge nicht zu sehr zu schwächen. Auf eine ausreichend stabile Spitze hat Viele Wert gelegt. Die Rückenstärke bleibt bis weit nach vorn erhalten. Das in Japan gefertigte Messer war, wie bei Spyderco gewohnt, haarscharf geschliffen. Über das 12 mm durchmessende Klingenloch, eines der Markenzeichen Spydercos, lässt sich das Phoenix einhändig öffnen. Beim Öffnen ist zunächst ein leichter Widerstand zu spüren, dann gleitet die Klinge glatt und geschmeidig in die Endposition und wird festgelegt. Der kleine Anfangswiderstand ist auf den hier verwendeten Arretierungsmechanismus zurückzuführen.

Ball-Bearing-Lock


Der über eine Kugel funktionierende Ball-Bearing-Lock fand sich bei Spyderco erstmals 2003 beim Modell Dodo. Im Griffrahmen ist eine federgelagerte Stahlkugel eingesetzt, die bei eingeklappter Klinge hinter der Klingenwurzel liegt. Wird die Klinge geöffnet, drückt die Kante der Klinge die Kugel etwas zurück, daher der zu spürende Widerstand. Der große Vorteil dieses Systems ist, dass die Klinge auch im eingeklappten Zustand arretiert wird und sich kaum ungewollt öffnen kann. Wird die Klinge ausgeklappt, gleitet die Kugel an der Klingenwurzel entlang, bis die Klinge die Endposition erreicht hat. Dann wird sie durch die Kraft der Feder über die Klingenwurzel gedrückt. Sie liegt jetzt zwischen Klingenwurzel und Griffrahmen und arretiert die Klinge. Das stellt ein ext-rem stabiles System dar. Beim Testmesser war keinerlei Klingenspiel im ausgeklappten Zustand spürbar. Um die Klinge zu entriegeln, wird die Kugel gegen die Kraft der Feder mit dem Finger in den Griffrahmen zurückgedrückt. Das stellt ein simples und elegantes System dar, das für eine verlässliche Verriegelung sorgt und zudem noch "selbst nachstellend" ist. Sollte sich wirklich im Laufe der Zeit Verschleiß an der Klingenwurzel einstellen, sorgt der Federdruck stets dafür, dass die Kugel immer an der richtigen Stelle bleibt.

Griffrahmen aus Titan


Mit einer Klingenlänge von 76 mm und einer Grifflänge von 116 mm ist das Phoenix kein kleines Taschenmesser, sondern schon ein ausgewachsener Folder. Um das Gewicht in Grenzen zu halten, wurde der Griffrahmen aus zähem und leichtem Titan gefertigt. Dadurch bringt das Messer nur 120 g auf die Waage. Die mit Torxschrauben befestigten Griffschalen bestehen aus weißem, glatt poliertem Micarta. Durch die aufgeschraubten Griffschalen bekommt der Griff eine angenehme Stärke und liegt satt in der Hand. Dazu trägt auch die tiefe Fingermulde bei, welche die Hand in die richtige Position zwingt.

Optisch macht die Kombination von polierter Stahlklinge, leicht grauem Titangriffrahmen und schneeweißen Micarta- Griffschalen dazu eine Menge her. Das ist hübsch anzuschauen, ist aber ein echter Wolf im Schafspelz. Der für Spyderco typische Hosenclip ist vorhanden. Hier hat sich Viele verewigt und drei parallele Durchbrüche angebracht. Die Trageweise ist mit der Spitze nach oben und der Clip kann leider nicht umgesetzt werden. Schade, bei vielen Spydercos lassen sich die Clips wahlweise für Tip Down oder Tip Up anbringen. Der Clip ist recht hoch angesetzt, was den Vorteil hat, dass das Messer komfortabel gezogen werden kann, dafür aber auch gut zu sehen ist. Für eine unauffällige Trageweise erweist sich das als nicht ideal.

Resümee


Das Phoenix ist ein gelungenes Klappmesser mit interessanter Technik. Durch den leichten Titanrahmen ist es trotz der Größe ein angenehmer Begleiter. Die Klingenform ist für alltägliche Schneidarbeiten sehr gut geeignet. Auch bei der Jagd ist das Phoenix einsetzbar. Die Verarbeitung ist sehr sauber, die Verriegelung elegant umgesetzt und optisch machen die fließenden Formen und die Farbkontraste das Phoenix zu einer echten Schönheit. Einziger Wermutstropfen in dieser gelungenen Mixtur ist der Preis. 310 € sind nicht gerade wenig für ein in Japan gebautes Klappmesser mit Klinge aus zwar gutem, aber keineswegs hochklassigem Stahl.
Spyderco_Aufmacher.jpg © Norbert Klups
Spyderco_Kugel.jpg © Norbert Klups
Spyderco in Hand.jpg © Norbert Klups
28.01.2012 09:36