Kahles KXi

Kompaktglas mit Leuchtabsehen

Der österreichische Zielfernrohrhersteller Kahles stellte auf der IWA ein neues Zielfernrohr vor, das trotz zölligem Mittelrohrdurchmesser mit einem Leuchtabsehen ausgestattet ist. Dem St. Hubertus stand das 3,5-10x50 KXi zum Praxistest zur Verfügung.
KXI_1.jpg © Norbert KlupsGrößer Zielfernrohre mit Leuchtabsehen sind heute fast auf jeder Jagdbüchse zu finden. Ein beleuchtetes Absehen hat ja auch einige Vorteile, und der Benutzer schaltet es nur zu, wenn es gebraucht wird. Jagdpraktisch ideal ist die Möglichkeit, das eigentliche Absehen fein zu gestalten. Denn wenn bei schlechtem Licht geschossen wird, kann ja der Leuchtpunkt immer noch alternativ zugeschaltet werden, und dicke Balken sind somit überflüssig. Für weite Schüsse auf kleine Ziele sind feine Absehen, besonders wenn sie sich in der zweiten Bildebene befinden, sehr von Vorteil.

Eigene Wege

Bei den Top-Herstellern sind Zielfernrohre mit Leuchtabsehen aber meist nur mit 30-Millimeter-Mittelrohrdurchmesser zu finden. Im Prinzip nicht nachteilig, wenn eine Neuwaffe ausgestattet wird, oder bei einem Wechsel des Zielfernrohres das alte Glas auch schon ein 30er-Mittelrohr hatte. War aber vorher schon ein Glas mit zölligem Mittelrohr montiert, sind die alten Montageoberteile jetzt wertlos. Bei den derzeitigen Preisen für Montageteile allerdings ein teurer Spaß. Hier bietet sich das neue Kahles KXi als Nachrüstglas geradezu an. Außerdem ist es durch das schlanke Mittelrohr auch noch einige Gramm leichter als die 30er-Konkurrenz. Mit einem Gewicht von nur 470 Gramm ist es für eine schlanke Jagdbüchse, die bei Pirsch und Bergjagd eingesetzt werden soll, eine gute Wahl. Trotzdem ist eine solche Büchse dank 50er-Objektivdurchmesser und Leuchtabsehen auch voll dämmerungstauglich. Mit einer Gesamtlänge von 320 Millimeter ist das neue Kahles dazu auch noch sehr kompakt.

Zoombereich

Beim Zoomfaktor bewegt sich die österreichische Traditionsfirma jetzt aber in die andere Richtung. 3,5-10-fach ist gerade mal ein 2,8-faches Zoom, während die Konkurrenz hier versucht, immer größere Bereiche abzudecken. Swarovski mit dem 6-fach-Zoom und Schmidt&Bender jetzt mit sogar 8-fachem Zoom.

Keine Digitaltechnik

Bei den 30er-Kahles-Modellen wird das Leuchtabsehen über eine digitale Steuereinheit geregelt. Durch Drehen und Halten auf Anschlag des multifunktionalen Bedienungselementes in plus (+) oder minus (–) Richtung wird die Beleuchtungsintensität erhöht oder reduziert und lässt sich auch in einen Bereitschaftsmodus schalten. Bei den
KXI3.jpg © Norbert KlupsGrößer Modellen mit Automaticlight schaltete sich der Leuchtpunkt sogar selbstständig ab und wieder an, wenn die Büchse aus einer waagrechten Position genommen wird. Diese High-tech-Spielereien hat Kahles beim KXi nicht übernommen, sondern geht zu einem normalen Drehknopf an der linken Gehäuseseite zurück, über den sich die Intensität des roten Zielpunktes stufenlos regeln lässt. Eine Abschaltautomatik sorgt dafür, dass nach zwei Stunden das Leuchtabsehen deaktiviert wird. Einfach zu bedienen und zweckmäßig. Als Absehen kommt das Kahles- 4-Dot-Absehen zum Einsatz. Der Punktdurchmesser beträgt hier 6,5 Zentimeter bei 3-facher Vergrößerung und 2,2 Zentimeter bei 10-facher Vergrößerung. Mit einem Sehfeld von 11,2 Metern bei 3,5-facher und 4 Metern bei 10-facher Vergrößerung ist das KXi zwar nicht im Spitzenbereich angesiedelt, bietet aber noch einen guten Überblick.

Scharf bis in den Randbereich

Die Optik des Kahles KXi ist erstklassig. Sehr hoher Kontrast und eine gute Schärfe bis in den Randbereich hinein zeichnen das Glas aus. Kahles benutzt auch beim KXi die AMV-Mehrschichtvergütung, die eine Lichttransmission von 99,5 Prozent bei jeder Glas/Luftfläche erreicht. Umgerechnet auf die Anzahl der Linsen in einem Zielfernrohr, bzw. den beiden Glas/Luftflächen jeder Linse, kommt die echte Lichtstärke hier auf über 90 Prozent. Kahles optimiert die Vergütung zudem in dem kritischen Spektralbereich von 520 Nanometer, um speziell in der Dämmerung beste Werte zu erzielen. Der Augenabstand beträgt 9 Zentimeter und ist damit auch für rückstoßstarke Büchsen ausreichend. Der Okularrand ist mit einem Gummirand gepolstert, was speziell Liebhaber "dickerer Pillen" zu schätzen wissen.

Präzise Mechanik


Die Absehenverstellung arbeitet sehr präzise. Das Einschießen des Testglases, das auf einer leichten Allwetter-Pirschbüchse von Savage im Kaliber .308 Winchester war kein Problem und mit fünf Schüssen erledigt. Wie heute allgemein üblich, ist das Kahles wasserdicht, und eine Stickstofffüllung verhindert den Innenbeschlag der Linsen. Die Absehenverstellung des zentrierten Absehens ist mit einer Clickrastung ausgestattet, die pro Click die Treffpunktlage auf 100 Meter um 7 mm verändert. Der Rohrkörper mit 25,4 mm Mittelrohrdurchmesser wird aus einem
Stück Aluminium gedreht und ist kratzfest eloxiert.

Das KXi bei der Jagd …


Das neue Kahles wurde ein halbes Jahr lang auf dem Schießstand und im Revier getestet. Praktisch ist die griffige Vergrößerungsverstellung. Der dicke, gummiarmierte Verstellring ließ sich auch bei kalten Temperaturen mit Handschuhen gut bedienen. Der Dioptrienausgleich reicht von +2 dpt bis sogar –3,5 dpt. Für den Nachtansitz ist das sehr gut, denn gerade hier muss oft in den Minusbereich nachreguliert werden. Viele Jäger verzichten gern auf die Brille, wenn an der Kirrung bei schlechtem Licht geschossen wird. Das angenehm leichte Gewicht des KXi verändert den Schwerpunkt der Waffe kaum, und ein paar Hundert Gramm weniger sind bei der Pirschjagd durchaus spürbar. Bei Mondlicht lieferte das Glas ein sehr angenehmes Bild. Die Abschottung gegen Falschlicht ist sehr gut gelungen, und das Glasabsehen bildet scharf ab.

… und auf dem Schießstand


Hier zeigte sich die Absehenverstellung von ihrer besten Seite. Sie ist rückkehrgenau und auf der 100-Meter-Bahn eingeschossen, war es kein Problem, die Büchse auf dem 300-Meter-Stand Fleckschuss einzustellen und das Absehen anschließend wieder auf den Ausgangwert zurückzudrehen. Der Kontrollschuss auf 100 Meter lag wieder genau Mitte 10.

Resümee


Das neue Kahles KXi ist ein schlankes, kompaktes Zielfernrohr mit Leuchtabsehen, das lediglich 470 Gramm wiegt. Die Optik ist erstklassig und die Mechanik sehr präzise. Das Glas ist ideal als Nachrüstoptik, wenn ein zölliges Vorgängerglas ersetzt werden soll oder aber auch für eine leichte Büchse, wenn jedes Gramm Gewicht zählt. Ein feines, elegantes Glas, das zu einem Preis von 1.280 € eine sehr gute Leistung bietet.

Technik auf einen Blick

Hersteller: Kahles GmbH, Wien, Österreich
Modell: Helia KXi
Vergrößerung: 3,5 – 10-fach
Objektivdurchmesser: 50 mm
Mittelrohrdurchmesser: 25,4 mm
Sehfeld auf 100 m: 11,2 – 4 m
Dämmerungszahl: 12,0 – 22,4
Austrittspupille: 15,1 – 5 mm
Dioptrienausgleich: +2/–3,5
Absehen: zweite Bildebene
Treffpunktkorr./Klick: 7 mm
Augenabstand: 90 mm
Länge: 320 mm
Gewicht: 470 g
Preis: 1.280 €
(Alle Angaben ohne Gewähr)
05.05.2011 11:26

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