Größer
Für die Jagd im Nahbereich auf Afrikas
Big Five (Elefant, Nashorn, Büffel,
Löwe und Leopard) gilt die Doppelbüchse
(DB) nach wie vor unter Großwildjägern
als die erste Wahl. Wenn es
darauf ankommt, ist der zweite Schuss
sofort verfügbar, ohne nachzuladen
oder zu repetieren. In manchen Situationen, wie bei der Jagd auf gefährliches Wild in unübersichtlichem Gelände, sind diese Sekundenbruchteile entscheidend. Aber nicht nur aus der Sicht eines Jägers ist die Doppelbüchse interessant. Für den nun ausgezeichneten Büchsenmachermeister waren es vor allem auch die technischen Herausforderungen, die die Wahl auf eine solche Waffe fallen ließen. Bei Jagdwaffen in Großwildkalibern treten enorme Kräfte auf, die sowohl bei der Konstruktion als auch bei der Fertigung zu berücksichtigen sind. Zudem setzte sich der Büchsenmacher das Ziel, die Doppelbüchse mit Holland & Holland (H&H) Seitenschlösser zu fertigen. Diese sollten mit Fangstangen, Rücksprung und mit rückliegenderr erhöhten Schwierigkeitsgrad bedeutet. Die Prüfungskommission der Handwerkskammer Münster war einverstanden und gab die Zustimmung zur Fertigung der Waffe. Diese musste ohne Zukaufteile gefertigt werden, abgesehen von den Läufen.
Welches Kaliber?
Die erste entscheidende Frage für Grauer war die Wahl des Kalibers, da hiervon nicht nur die Abmessungen der Läufe und Patronenlager abhängig sind, sondern auch die gesamte Dimensionierung der restlichen Waffenteile. Die Büchse sollte alltagstauglich sein und nicht nur in einer Vitrine als Ausstellungsstück dienen. Das Kaliber musste so gewählt werden, dass die Munition genug Leistungsreserven hat, um auch einen afrikanischen Dickhäuter waidgerecht und schnell erlegen zu können. Besonders bewährt haben sich dafür Kaliber im Bereich .416, im Speziellen das Kaliber .416 Rigby, das unter vielen Sport- und Großwildjägern als das Afrikakaliber schlechthin gilt. Leider ist dieses Kaliber jedoch mit einem kleinen Nachteil behaftet. Die Patrone wurde vor allem für Repetierbüchsen entworfen und verfügt daher über keinen Rand. Dieser ist bei einer Doppelbüchse aber von großem Vorteil. Denn die gezündeten Hülsen müssen sich leicht aus den Patronenlagern entfernen lassen, um die Waffe bei Bedarf zügig nachladen zu können. Es ist zwar möglich, mit einem erhöhten Aufwand die .416 Rigby in einer DB zu verschießen, das ist aber problematisch und zudem ein Stilbruch.Dieses Problem erkannten vor knapp zwei Jahrzehnten auch deutsche Büchsenmacher, die zusammen mit Munitionsexperte Wolfgang Romey eine Randpatrone konstruierten, die über die gleichen ballistischen Eigenschaften wie eine randlose .416 Rigby verfügt. Um dies zu erreichen, wurde eine .500 Nitro Express 3 ¼" auf einen .416er Durchmesser eingezogen, wobei sich aus der ursprünglich konisch zulaufenden Hülse eine Flaschenhalshülse ergab. Nach britischer Manier, bei der zuerst die Ausgangshülse genannt wird, wurde die Hülse dann auf die Kaliberbezeichnung .500/.416 Nitro Express 3 ¼" getauft.
Da es die Patrone aber nur mit einer Hülsenlänge gibt, wurde die Angabe 3 ¼" überflüssig, sodass man heute nur noch den Name .500/.416 Nitro Express verwendet. Vorgestellt wurde das neue Kaliber im Jahr 1996. Nachdem – wie erwartet – die Anfragen nach den Patronen stiegen, begannen auch bekannte Hersteller, wie das deutsche Labor für Ballistik und die US-Firma Norma, mit der Serienfertigung der Munition.


