BBF Steyr Mannlicher Duett

Steyrische Kombi

Die Steyr Mannlicher Bockbüchsflinte Duett ist eine moderne, führige Jagdwaffe mit Handspannerschloss und freiliegendem Kugellauf. Eine Waffe für Ansitz und Pirsch, bei der man "alles" dabei hat. Ob das wirklich stimmt, haben wir für Sie getestet.
Duett Aufmacher.jpg © Roland ZeitlerGrößer "Wer sich keinen Drilling leisten kann, der greife zur Bockbüchsflinte." Diesen Satz hörte man früher öfter. Heute fragt man sich, ob überhaupt jemand noch einen Drilling mit zwei Schrotläufen kauft. Eher sind Bock- oder Doppelbüchsdrillinge gefragt. Nach wie vor sind Bockbüchsflinten aber Ganzjahreswaffen, die auch von Revierbetreuern geschätzt werden. Sie sind besonders gut geeignet für Rehund Niederwildreviere. Der Kugellauf dient zur Schalenwildjagd und für den weiter entfernten Fuchs.

Der Schrotlauf wird für Niederwild von Eichelhäher über Hasen bis hin zum Raubwild eingesetzt. Schießen Kugellauf und Flintenlaufgeschoss gut zusammen, dann kann man diese Kombination an der Saukirrung verwenden. Aufs ganze Jahr gesehen, ist eine Bockbüchsflinte vielfältig bei Pirsch und Ansitz brauchbar. Von ihrem Ursprung her sind Bockbüchsflinten für den Einzelschuss entwickelt worden. Bei verlöteten Läufen klettert die Treffpunktlage des Kugellaufes bei Folgeschüssen. Beide Läufe beeinflussen sich gegenseitig, sodass nach einem Schuss das Laufbündel erst wieder abkühlen muss. Bockbüchsflinten reagieren hier unterschiedlich. Jeder Jäger tut gut daran festzustellen, wie seine individuelle Waffe im Warmschussverhalten reagiert. Bei modernen Bockbüchsflinten wird dem durch freiliegenden Kugellauf abgeholfen. Er kann sich auch frei ausdehnen und ist unabhängig vom Schrotlauf.

Mannlicher Duett

Die Mannlicher Duett ist eine moderne Bockbüchsflinte mit freiliegendem Kugellauf und Handspannung. Ihre Herkunft aus Suhl kann sie nicht verleugnen. Sie strahlt ein modern-edles Design aus. Trotz hohem Maschinenfertigungsanteil weist sie Individualität auf. Mit ihren 2,97 kg Gewicht und einer Länge von 102,5 cm ist sie führig. Die maschinell gefertigte Basküle besteht aus Leichtmetall. Als Stoßboden wurde eine Stahlplatte eingesetzt. Der durchgehende Scharnierbolzen wurde von außen verschraubt. Die formschön unten nach vorne gezogene Basküle ist am Boden leicht gerundet. Oben schrägte man beidseitig Flächen leicht ab. Die erhobene Muschel weist ausgekehlte Seiten auf und der futuristisch gestaltete Öffnungshebel wurde durchbrochen. Auf der Scheibe sitzt der Spannschieber mit Druckknopf zur Entriegelung. Das Spannen erfordert starken Druck und ist wohl nichts für zarte, schwache Damenfinger. Beim Rasten ist ein gut vernehmbarer Klick zu hören, außer man drückt bereits beim Spannen den Druckknopf. Das ist umständlich und zeitraubend.

Das Entspannen geht geräuscharm. Die Fingermulde des schmalen Spannschiebers ist quer gerillt. Die Waffe ist mit zwei Handspannerschlossen mit Schraubenfedern ausgerüstet. Sie werden kraftaufwendig beim Spannen nach oben gezogen. Durch den Öffnungshebel werden die Schlagstücke zurückgesetzt, damit können die federbelastseten Schlagbolzen zurückspringen. Außerdem wird beim Öffnen automatisch entspannt. Die beiden glatten Abzugszüngel sind goldfarben. Beide stehen nach geringem, leichtem Vorzug trocken. Sie lösen nach 1.630 bzw. 1.480 g aus. Sicherlich ist der erste Abdruck für den Kugellauf viel zu hoch. 700 g weniger wären ideal. Dank großer Abzugsabstände und großem Kunststoffabzugsbügel ist ein Schießen mit Handschuhen möglich. Als Besonderheit brachte man in Basküle und Schaftbacken lange Seitenplatten an, die sich bei Schaftabnahme auchtauschen lassen. Die Platten sind gesteckt und verschraubt. Die nitrierten Seitenplatten weisen eine tief gestochene Reliefgravur auf. Das tief gestochene Wild- und Landschaftsmotiv wurde von Arabesken umrahmt. Auf der einen Seite wurde als Motiv ein Hirsch im Wald gewählt, auf der anderen Seitenplatte ein balzender Auerhahn im Wald.

Frei liegender Kugellauf


Die 60 cm langen Läufe wurden in einem Monoblock mit Laufhaken gefasst. Am Monoblock befindet sich noch ein Zapfen mit "Knopf", der in ein Lager des "Eisenvorderschaftes" greift. Kurz vor dem Monoblock befindet sich ein Führungsstück, durch das der Kugellauf frei läuft und woran die Zwischenschiene befestigt wurde. Die Zwischenschiene wurde an dem Schrotlauf geklebt oder gelötet. Den Kugellauf berührt sie nicht. An die Schiene wurde eine Mündungsbuchse geschraubt, durch die der abgedrehte Kugellauf läuft. Er kann sich darin frei ausdehnen. Vor dem abgedrehten Stück beträgt die Laufstärke übrigens 13,8 mm. Eine genaue Kugellaufjustierung erfolgt im Werk. Eine nachträgliche Justierung ist keinesfalls sinnvoll, da es leicht zu negativen Spannungen kommt. Über zwei Schrauben im hinteren Führungsstück wird der Kugellauf zur Mündungsbuchse genau ausgerichtet. Der innen verchromte Schrotlauf in 12/76 mit ½-Choke weist keinen Stahlschrotbeschuss auf. Der Monoblock ist für eine Aufkippmontage vorbereitet. Mit einer solchen wurde ein Kahles Helia CSX 2,5-10x50 montiert. Es handelt sich um eine Festmontage. Auf dem Schrotlauf befindet sich eine Drittelvisierschiene mit dachkantförmiger Kimme mit U-Ausschnitt. Per Schraube kann die Kimme seitenjustiert werden.

Das Balkenkorn auf dem Sattel lässt sich mit einem Inbusschlüssel in der Höhe justieren. Um die offene Visierung jedoch überhaupt nutzen zu können, benötigt man zur Zielfernrohrabnahme ebenfalls einen Inbusschlüssel. Nach Zielfernrohrabnahme blieb die Treffpunktlage im Rahmen weniger Zentimeter gleich. Die Montage ist keinesfalls für eine Zielfernrohrabnahme gedacht oder geeignet. Das Laufbündel wird mit Laufhaken und Keil verriegelt. Es ist ein einteiliger Auszieher vorhanden. Beide Patronen lassen sich gut greifen und ausziehen. In die Rille der randlosen Patrone greift ein federbelasteter Stift am Auszieher ein. Beim Ausziehen ergibt dies einen Widerstand. Für Kipplaufwaffen empfehle ich Randkaliber.

Schmucker Ölschaft

Duett_Montage und Seitenplatten.jpg © Roland ZeitlerGrößer Der Ölschaft besteht aus hochwertigem Nussbaumholz mit schöner, teils flammender Maserung. Der Schaft wurde glatt geschliffen und erhielt ein hochwertiges Finish. Der mittels Drücker abnehmbare Vorderschaft verjüngt sich leicht und schließt mit Nase ab. Der "Eisenvorderschaft" besteht aus faserverstärktem Das vermeidet unnötige Spannungen. Der Sitz lässt sich genau einstellen. Der Hinterschaft hat einen steilen Pistolengriff mit eingelegtem Käppchen mit dem Mannlicher Logo. Dank rechtsseitiger Aufbauchung am Pistolengriff wird der Handhohlraum perfekt ausgefüllt. Beide Abzüge kann ich mit meinem mittellangen Abzugsfinger problemlos bedienen.

Der Hinterschaft weist ferner einen Schweinsrücken und eine Bayerische Backe mit zwei Falzen auf. Er schließt nach schwarzer Zwischenlage mit schmaler "Old English"- und Pistolengriff findet man eine mittelfeine Fischhaut. Die Mannlicher Duett ist gut verarbeitet. Das glatte Schaftfinish ist hochwertig und "wetterfest". Die Metallteile wurden samtmatt glasperlengestrahlt. Der Kasten wurde schwarz eloxiert und das Laufbündel brüniert.

Handhabung und Schussleistung


Brenneke FLG (12/70, 31,5 g) und RWS GECO 11,0-g-TM Kugelpa-trone schossen auf 40 m perfekt zusammen. Der Schrotlauf (1/2-Choke) erbrachte mit Rottweil Magnum 12/76 (3,2 mm) 67 Trefferprozente mit guter Deckung. Theoretisch sollte sich der Kugellauf frei ausdehnen können und bei vier oder fünf Schüssen hintereinander die Treffpunktlage beibehalten. Tat er aber nicht. Zwei Schüsse lagen immer beisammen, meist waren es drei. Ab dem vierten Schuss veränderte sich die Treffpunktlage (ca. 3 bis 4 cm in der Höhe). Ab und zu war das schon beim dritten Schuss aus warmem Lauf der Fall. Sicherlich kann es in der Laufbuchse zur Verkanntung beim Ausdehnen kommen, wenn der Lauf hinten nicht sehr genau ausgerichtet wurde. Jagdpraktisch wird man damit zurechtkommen.

Mehr als zwei Kugelschüsse wird man mit einer Bockbüchsflinte kaum hintereinander abgeben und selbst der dritte sowie vierte Schuss sollten sitzen, da auf Entfernungen bis 150 m die Treffpunktabweichung vernachlässigbar ist. Auf 35 m konnte man mit Zielfernrohr beim Schrotschuss Fleck anhalten. Mit der Duett bietet Mannlicher eine moderne Bockbüchsflinte an, die trotz modernen Designs im Mittelbereich klassisch und ansprechend aussieht. Eine sichere Gebrauchswaffe mit Handspannung. Die Kugelschussleistung war mit Streukreisen von 20 und 28 mm mit fünf Schuss auf 100 m hervorragend (im folgenden Takt geschossen: zwei Schuss – Abkühlpause – zwei Schuss – Abkühlpause – ein Schuss). Bockbüchsflinten mit Handspannung und frei liegendem Kugellauf bieten unter anderem noch Blaser, Merkel und Krieghoff an.

B B F S t e y r M a n n l i c h e r D u e t t

Waffe: Steyr Mannlicher Duett
Importeur: AKAH, Gummersbach
Waffenart: B ockbüchsflinte
Kaliber Testwaffe: 12/76 - .30-06 Springfield
Weitere Kaliber: .222 Rem., .243 Win., 7x65R, .308 Win., .30R Blaser, 8x57IRS,
9,3x74R
Schlosse: Zwei Handspannerschlosse
Kasten: Leichtmetall, Stahlplatte als Stoßboden, lange, gravierte
Seitenplatten
Abzüge: Zwei Flintenabzüge
Laufbündel: Monoblock, frei liegender Kugellauf, 1/3-Visierschiene,
Monoblock für Zielfernrohrmontage vorbereitet, einteiliger
Auszieher, am Kugellauf Riemenbügel, Flintenlauf mit
½-Choke
Verriegelung: Laufhaken
Sicherung: Handspanner, automatische Entspannung bei Betätigung des
Öffnungshebels
Visierung: Offene Visierung, seitenjustierbare, dachkantförmige Kimme
mit U-Ausschnitt, höhenjustierbares Balkenkorn
Visierlinie: 31,5 cm
Lauflänge: 60 cm
Schaft: Nussbaum-Ölschaft, Vorderschaft mit Nase und Drücker,
Hin terschaft mit Pistolengriff, Schweinsrücken, Bayerischer
B acke, Gummischaftkappe, Riemenbügel, Fischhaut am Vorderschaft
und Pistolengriff
ZF/-montage: Kahles Helia CSX 2,5-10x50, Aufkippmontage (Festmontage)
Waffenlänge: 102,5 cm
Waffengewicht: 2,97 kg
Gesamtgewicht: 3,6 kg
Beste Schussleistung: Kugel (5 Schuss/100 m) 20 mm
FLG (3 Schuss/40 m) 36 mm, Schrot siehe Text
Preis: 2.490 € (ohne ZF und Montage)
(Alle Angaben ohne Gewähr)

Überblick

Vorteile
+ Führig
+ Hervorragende Schussleistung (Kugel +
Schrot)
+ Zusammenschießen Kugel-FLG
+ Frei ausdehnbarer Kugellauf
+ 2 Handspannerschlosse
+ Ansprechende, gravierte Seitenplatten
(tauschbar)
+ Hochwertiger Schaft
+ Gute Flintenabzüge
+ Justierbare offene Visierung
+ Monoblock für Zielfernrohrmontage
vorbereitet
+ Justierbare Vorderschaftabstützung am
Monoblock
Nachteile
- Treffpunktverlagerung Kugel ab 3. oder
4. Schuss (Warmschussverhalten problematisch)
- Hoher Abzugswiderstand für Kugellauf
- Harter Widerstand bei Handspannung
- Keine werkzeuglose Zielfernrohrabnahme
möglich
- Kein Stahlschrotbeschuss (lt. Datenangabe
Stahlschrotbeschuss, Beschusszeichen
Lilie jedoch nicht gefunden).
26.03.2012 09:25

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