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"Wer sich keinen Drilling leisten kann,
der greife zur Bockbüchsflinte." Diesen
Satz hörte man früher öfter. Heute fragt
man sich, ob überhaupt jemand noch
einen Drilling mit zwei Schrotläufen
kauft. Eher sind Bock- oder Doppelbüchsdrillinge
gefragt.
Nach wie vor sind Bockbüchsflinten
aber Ganzjahreswaffen, die auch von
Revierbetreuern geschätzt werden. Sie
sind besonders gut geeignet für Rehund
Niederwildreviere. Der Kugellauf
dient zur Schalenwildjagd und für den
weiter entfernten Fuchs. Der Schrotlauf wird für Niederwild von Eichelhäher über Hasen bis hin zum Raubwild eingesetzt. Schießen Kugellauf und Flintenlaufgeschoss gut zusammen, dann kann man diese Kombination an der Saukirrung verwenden. Aufs ganze Jahr gesehen, ist eine Bockbüchsflinte vielfältig bei Pirsch und Ansitz brauchbar. Von ihrem Ursprung her sind Bockbüchsflinten für den Einzelschuss entwickelt worden. Bei verlöteten Läufen klettert die Treffpunktlage des Kugellaufes bei Folgeschüssen. Beide Läufe beeinflussen sich gegenseitig, sodass nach einem Schuss das Laufbündel erst wieder abkühlen muss. Bockbüchsflinten reagieren hier unterschiedlich. Jeder Jäger tut gut daran festzustellen, wie seine individuelle Waffe im Warmschussverhalten reagiert. Bei modernen Bockbüchsflinten wird dem durch freiliegenden Kugellauf abgeholfen. Er kann sich auch frei ausdehnen und ist unabhängig vom Schrotlauf.
Mannlicher Duett
Die Mannlicher Duett ist eine moderne Bockbüchsflinte mit freiliegendem Kugellauf und Handspannung. Ihre Herkunft aus Suhl kann sie nicht verleugnen. Sie strahlt ein modern-edles Design aus. Trotz hohem Maschinenfertigungsanteil weist sie Individualität auf. Mit ihren 2,97 kg Gewicht und einer Länge von 102,5 cm ist sie führig. Die maschinell gefertigte Basküle besteht aus Leichtmetall. Als Stoßboden wurde eine Stahlplatte eingesetzt. Der durchgehende Scharnierbolzen wurde von außen verschraubt. Die formschön unten nach vorne gezogene Basküle ist am Boden leicht gerundet. Oben schrägte man beidseitig Flächen leicht ab. Die erhobene Muschel weist ausgekehlte Seiten auf und der futuristisch gestaltete Öffnungshebel wurde durchbrochen. Auf der Scheibe sitzt der Spannschieber mit Druckknopf zur Entriegelung. Das Spannen erfordert starken Druck und ist wohl nichts für zarte, schwache Damenfinger. Beim Rasten ist ein gut vernehmbarer Klick zu hören, außer man drückt bereits beim Spannen den Druckknopf. Das ist umständlich und zeitraubend.
Das Entspannen geht geräuscharm. Die Fingermulde des schmalen Spannschiebers ist quer gerillt. Die Waffe ist mit zwei Handspannerschlossen mit Schraubenfedern ausgerüstet. Sie werden kraftaufwendig beim Spannen nach oben gezogen. Durch den Öffnungshebel werden die Schlagstücke zurückgesetzt, damit können die federbelastseten Schlagbolzen zurückspringen. Außerdem wird beim Öffnen automatisch entspannt. Die beiden glatten Abzugszüngel sind goldfarben. Beide stehen nach geringem, leichtem Vorzug trocken. Sie lösen nach 1.630 bzw. 1.480 g aus. Sicherlich ist der erste Abdruck für den Kugellauf viel zu hoch. 700 g weniger wären ideal. Dank großer Abzugsabstände und großem Kunststoffabzugsbügel ist ein Schießen mit Handschuhen möglich. Als Besonderheit brachte man in Basküle und Schaftbacken lange Seitenplatten an, die sich bei Schaftabnahme auchtauschen lassen. Die Platten sind gesteckt und verschraubt. Die nitrierten Seitenplatten weisen eine tief gestochene Reliefgravur auf. Das tief gestochene Wild- und Landschaftsmotiv wurde von Arabesken umrahmt. Auf der einen Seite wurde als Motiv ein Hirsch im Wald gewählt, auf der anderen Seitenplatte ein balzender Auerhahn im Wald.
Frei liegender Kugellauf
Die 60 cm langen Läufe wurden in einem Monoblock mit Laufhaken gefasst. Am Monoblock befindet sich noch ein Zapfen mit "Knopf", der in ein Lager des "Eisenvorderschaftes" greift. Kurz vor dem Monoblock befindet sich ein Führungsstück, durch das der Kugellauf frei läuft und woran die Zwischenschiene befestigt wurde. Die Zwischenschiene wurde an dem Schrotlauf geklebt oder gelötet. Den Kugellauf berührt sie nicht. An die Schiene wurde eine Mündungsbuchse geschraubt, durch die der abgedrehte Kugellauf läuft. Er kann sich darin frei ausdehnen. Vor dem abgedrehten Stück beträgt die Laufstärke übrigens 13,8 mm. Eine genaue Kugellaufjustierung erfolgt im Werk. Eine nachträgliche Justierung ist keinesfalls sinnvoll, da es leicht zu negativen Spannungen kommt. Über zwei Schrauben im hinteren Führungsstück wird der Kugellauf zur Mündungsbuchse genau ausgerichtet. Der innen verchromte Schrotlauf in 12/76 mit ½-Choke weist keinen Stahlschrotbeschuss auf. Der Monoblock ist für eine Aufkippmontage vorbereitet. Mit einer solchen wurde ein Kahles Helia CSX 2,5-10x50 montiert. Es handelt sich um eine Festmontage. Auf dem Schrotlauf befindet sich eine Drittelvisierschiene mit dachkantförmiger Kimme mit U-Ausschnitt. Per Schraube kann die Kimme seitenjustiert werden.
Das Balkenkorn auf dem Sattel lässt sich mit einem Inbusschlüssel in der Höhe justieren. Um die offene Visierung jedoch überhaupt nutzen zu können, benötigt man zur Zielfernrohrabnahme ebenfalls einen Inbusschlüssel. Nach Zielfernrohrabnahme blieb die Treffpunktlage im Rahmen weniger Zentimeter gleich. Die Montage ist keinesfalls für eine Zielfernrohrabnahme gedacht oder geeignet. Das Laufbündel wird mit Laufhaken und Keil verriegelt. Es ist ein einteiliger Auszieher vorhanden. Beide Patronen lassen sich gut greifen und ausziehen. In die Rille der randlosen Patrone greift ein federbelasteter Stift am Auszieher ein. Beim Ausziehen ergibt dies einen Widerstand. Für Kipplaufwaffen empfehle ich Randkaliber.


