Weitenjäger

Zwei zielsichere Typen

Wenn einmal wirklich weit geschossen werden muss, so sollte man sich auf seine Zieloptik absolut verlassen können. Wir haben das Zeiss Victory 8x56 T* RF und das Victory FL Diavari 4-16x50 T* einem intensiven Test unterzogen.
Zeiss_ZF.jpg © FM Martin SchusterGalerie Was haben die Gamsjagd in den Alpen,die Rehbockjagd in der ungarischen Tiefebene oder besonders die Schafjagden weltweit gemeinsam?

Richtig, zumeist muss in einem unbekannten Terrain auf große Entfernungen geschossen werden. Die exakte Entfernung zu wissen, ist einer der Eckpfeiler für einen jagdlichen Erfolg. Kann das noch mit der passenden Zieloptik und der richtigen Büchse umgesetzt werden, steigen die Erfolgschancen beträchtlich.

Zeiss Victory 8x56 T* RF


Die von Zeiss gewohnte leistungsstarke Optik kommt beim 8x56er klar hervor und liefert sehr helle, bis an den Rand scharfe Bilder. Bei einem Sehfeld von 115/1.000 m und einer erstklassigen Schärfe im Nahbereich bleiben keine Wünsche offen. Die innovative Lotu- Tec®-Beschichtung war ein Garant für eine bestechende Bildqualität unter jeden Witterungsbedingungen. Regen perlte an der Linse rasch ab und erleichterte die Linsenreinigung ungemein. Robust gebaut, mit einem Magnesiumgehäuse und einer sehr guten Lage in der Hand machte das Fernglas einige ruppige Behandlungen mit.

Sehen – Messen – Treffen


Mit dem integrierten Laser-Rangefinder sind sehr rasche, äußerst präzise Entfernungsmessungen möglich. Der Scan- Modus erlaubt das Mitverfolgen von beweglichen Zielen, was sich in der Praxis sehr bewährt hat. Kern der Haltepunktkorrektur bei weiten Entfernungen ist das Ballistik-Informations-System BIS®. Die integrierte Software liefert anhand der zuvor ausgewählten Ballistikkurve, der Kaliberklasse und der gemessenen Entfernung den dazu passenden Korrekturwert, um den entsprechend höher angehalten werden muss. Bis zu einer Entfernung von 1.200 m wird in Sekundenbruchteilen zuverlässig und wiederholgenau die Distanz angegeben. Einfach das Ziel anvisieren, den Messknopf betätigen und schon wird die Distanz angezeigt. Hat man zusätzlich noch das BIS® aktiviert, so wir zusätzlich die Haltepunktkorrektur angegeben. Diese ist einfach durch einen Knopfdruck zu aktivieren oder wegzuschalten. Zugegeben, ein wenig muss man sich schon die Bedienungsanleitung zu Gemüte führen. Danach allerdings ist das Messen ein Vergnügen. Es konnte sowohl im Waldrevier als auch in der Ebene ausführlich zum Einsatz kommen. Naturgemäß konnte die Entfernungsmessung abseits der reinen Waldreviere seine Vorteile voll ausspielen. Doch auch auf den langen Schneisen in den ausgedehnten Laubwäldern gab der integrierte Entfernungsmesser ein beruhigendes Gefühl.
Das Zeiss Victory 8x56 T*RF ist um 2.795 € im guten Fachhandel erhältlich.

Victory FL Diavari 4-16x50 T*

Wenns wirklich weit hinausgeht, dann ist das Victory FL Diavari 4-16x50 T* eine sehr gute Wahl hinsichtlich Vergrößerung, kurzer Baulänge (336 mm) und eines Gewichts von nur 710 g. Das prädestiniert das Zielfernrohr für die Montage auf leichten Repetierern und Kipplaufbüchsen. Gerade bei der Bergjagd, wo es auf jedes Gramm ankommt, ist das ein entscheidender Vorteil. Das Glas ist wahlweise mit einer Absehenschnellverstellung (ASV) als auch mit dem Rapid-Z®7-Absehen erhältlich. Das ballistische Absehen Rapid-Z® gibt Haltepunkte vor, welche intuitiv gewählt werden können, um auf den Geschossabfall bei weiten Entfernungen entsprechend reagieren zu können.Die ASV ermöglicht eine Einstellung auf die (zuvor gemessene) gewünschte Distanz. Das erlaubt es, auch auf großen Distanzen immer Fleck halten zu können. Das "Drüberhalten" fällt weg. Die Distanzfolien sind dabei extrem präzise und vor allem intuitiv in der Anwendung: Ich messe 300 m und drehe auf 300 m.
Das Testglas war mit einer ASV versehen und hat wirklich überzeugen können.

Beide Variationen weisen subjektive Vor- und Nachteile auf, die jeder für sich abschätzen muss. Persönlich bevorzuge ich das Distanzabsehen. Eine "Umgewöhnung" auf die ASV war jedoch kein Problem. Positiv aufgefallen sind der höhere Augenabstand von90 mm und die uneingeschränkte Parallaxefreiheit. Letzteres ist bei derart hohen Vergrößerungen natürlich notwendig. Für die Bewegungsjagd in dichten Waldrevieren ist das Glas weniger geeignet und auch nicht gedacht. Die 4-fache Vergrößerung als kleinste Stufe ist hier zu wenig. Sobald das Gelände jedoch offener und weiter ist, spielt das Zielfernrohr seine Trümpfe aus. Natürlich wurde das Glas auch beim Ansitz im Waldrevier während der Herbst- und Wintermonate getestet und einige Stücke damit erlegt. Dafür ist der Vergrößerungsbereich von 4- bis 16-fach ausreichend.

Eine hohe Vergrößerung ist bei weiten Entfernungen ein klarer Vorteil, wenngleich dadurch das eigene "Wackeln" oder "Zittern" ungleich stärker wahrgenommen wird als bei einer niedrigeren Stufe. Das FL Konzept liefert extrem kontrastreiche Bilder. Deshalb ist das Produkt auch bei Sportschützen sehr beliebt. In Summe konnte das Victory FL Diavari 4-16x50 T* sowohl bei der Waldjagd als auch, "wenn es einmal etwas weiter war", einen guten Eindruck hinterlassen. Ein sicheres und genaues Abkommen bis 300 m war kein Problem und sollte für unsere Verhältnisse mehr als ausreichend sein. Waffe und Optik schaffen das leicht. Lediglich der Steuermann sollte zuvor am Schießstand seine eigenen Grenzen ausloten und gegebenenfalls entsprechend reduzieren. Im Fachhandel müssen für das Victory FL Diavari 4-16x50 2.624 € budgetiert werden.

Fazit


Das Zeiss Victory 8x56 T*RF stellt das klassische Fernglas dar. Für die Jagd im extremen Hochgebirge oder auf stundenlangen Märschen gibt ist es gewichtsmäßig sicher leichtere Gläser. Fakt ist jedoch, dass man mit diesem Fernglas für mitteleuropäische Verhältnisse sehr gute gerüstet ist. Der im Vergleich zu den Mitbewerbern sehr rasche und präzise Entfernungsmesser rundet das 8x56er richtig ab. Wenn man sich mit der Bedienungsanleitung etwas auseinandersetzt, eröffnen sich mit den unterschiedlichen Ballistikkurven und den zusätzlichen Einstellungen zahlreiche Vorteile.

Das Victory FL Diavari 4 – 16x50 ist trotz 16-facher Vergrößerung und einem Objektivdurchmesser von 50 mm optisch ansprechend. Das ist einerseits ausreichend, um für nahezu alle jagdlichen Situationen gerüstet zu sein. Andererseits fügt sich das Zielfernrohr sehr harmonisch in das Gesamtbild Waffe- Zieloptik ein, ohne durch eine überdimensionale "Röhre" störend zu wirken. Als einziger Nachteil kann bei beiden Produkten der hohe Preis genannt werden. Man bekommt, was man bezahlt. Nur das Treffen muss der Jäger noch alleine durchführen, der Rest wird von Zeiss erledigt.
Zeiss_ZF.jpg © FM Martin Schuster
Zeiss_Vergrößerungsring.jpg © FM Martin Schuster
Zeiss_Parallaxeausgleich.jpg © FM Martin Schuster
15.06.2012 08:33

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